Tourist oder interessanter Traveller

In Australien sind wir zu einer entscheidenden Erkenntnis gelangt. Als wir im normalen Mietwagen unterwegs waren, waren „nur Touristen“, so wie viele andere, die dieses Land bereisen. In dem Augenblick, ab dem wir wieder im “Kumpel” unterwegs waren, begann sofort wieder die Kommunikation mit den Menschen. Jetzt waren wir interessante Traveller, von denen man mehr Wissen möchte. 

Australien an sich

Australien ist ja nicht nur ein Land, sondern der kleinste Kontinent der Erde. Dieser Kontinent ist wiederum in sechs Bundesstaaten unterteilt: New South Wales, Queensland, South Australia, Tasmania, Victoria und Western Australia.
Australien ist ein sehr junges Land. Bis vor 200 Jahren lebten dort fast nur die Ureinwohner, die Aborigines. Einen Staat gab es damals noch nicht. Erst als vor circa 200 Jahren die ersten Europäer kamen, veränderte sich das Land. Ursprünglich wurde es von Großbritannien als Strafkolonie genutzt. Die Europäer verdrängten dann nach und nach die Ureinwohner, nahmen ihnen „ihr Land“ weg und veränderten ihre Lebensbedingungen grundlegend..

Australien hat eine Größe von über 7,7 Mio. km², das ist die 20-fache Fläche von Deutschland. Dort wohnen nur knapp 25 Mio. Einwohner. Im Vergleich dazu leben in Deutschland 3,3 mal so viele. 75% der australischen Einwohner leben in den Städten. Australien ist ein Land mit sehr dünner Besiedlung. Wer möchte, kann hier  einsam sein eigenes Leben führen.

Für uns war die Reise von Darwin bis Perth/Fremantle eine Tour über lange, einsame Strecken. Dort, wo Orte oder Kleinstädte waren, wurde diese stark von den Aborigines geprägt. Die Reise im Mietwagen unterschied sich nicht wesentlich von einer reinen Urlaubsreise, bis auf unsere Kommunikation mit unserem Team zu Hause bezüglich unser Spenden-Hilfsaktion und der Pflege unserer Website. Mit unserem „Kumpel“ waren wir dann wieder etwas im Leben, so wie wir es lieben. Stellplätze mitten im Nirgendwo an den Highways. Wir sahen schöne, einsame Landschaften, tolle Strände und Küsten. Wir lernten die Insel „Rotto“ kennen und auch etwas vom australischen Leben und Alltag. Zum Ende unserer Tour durchfuhren wir eine Landschaft, die das bayrische Voralpenland, das Allgäu oder auch Österreich hätte sein können.

Wir mussten feststellen, dass es auch innerhalb Australiens Landesgrenzen gibt, der Quarantäne wegen. Auch paßten wir mehrfach unsere Uhrzeiten auf der Uhr an. Wir überschritten mehrere Zeitzonen. Die Strecken, die wir bewältigt haben, sind für unsere Verhältnisse, lang. Abschnitte, von 1.500 Kilometern, auf denen es außer Roadhouses nichts an Infrastruktur gibt, sind hier Normalität. 

Eine große Herausforderung bei der Routenplanung auf den einsamen Highways liegt darin, eine gewisse Versorgung mit Lebensmitteln, Obst und so weiter sicherzustellen. Die Angebote der Roadhouses sind mehr als bescheiden und sehr teuer. Trinkwasser gibt es nur an wenigen Orten und man lässt sich das ebenfalls teuer bezahlen.

Klima

Das Klima ist im Norden vornehmlich tropisch. Der Süden hat eher gemäßigtes Klima. Von November bis April gibt es im Norden starke Regenfälle. Dafür ist der Süden trocken. Von Mai bis Oktober gibt es im Süden ordentliche Regenfälle, jetzt ist der Norden eher trocken. Zentralaustralien ist generell sehr trocken und stellenweise wüstenähnlich.

Beste Reisezeiten ins Outback/Norden ist von April bis Oktober, in den Süden reist man am besten im März, April sowie von September bis November und nach Tasmanien von Oktober bis März.

Land, Leute und Sprache

In der Regel werden alle Personen mit ihrem Vornamen angesprochen. Dies gilt auch, wenn es sich um Chefs oder zum Beispiel einen Doktor handelt. Sollte man den Vornamen der Person nicht kennen, kann man sie auch mit ‚mate‘ (Kumpel) ansprechen. Man darf sich insbesondere als Frau nicht darüber wundern, dass man vom Verkaufspersonal unter Umständen mit “dear”, “darling” oder ähnlichem angesprochen wird. Das ist nicht als „Anmache“ zu verstehen, sondern in Australien ganz normal.
Zur Begrüßung von Bekannten oder Fremden sagt man in der Regel “Hi, how are you going?” (‚Hallo, wie geht’s?‘), beim Abschied sagt man in der Regel “Bye, see you!” (‚Tschüss, bis dann!‘).

Möchte man einen Aborigines fotografieren, sollte man sie aus Respekt zuvor ausdrücklich um Erlaubnis fragen. Augenkontakt mit Aborigines sollte insbesondere bei älteren Menschen vermieden werden. Damit zollt man ihnen Respekt. Beim Besuch von Sehenswürdigkeiten der Aborigines sollte man auf die Hinweisschilder achten. Nicht in allen Kultstätten ist der Zutritt von Besuchern, die keine Aborigines sind, gestattet.

Man nimmt heute an, dass es einmal viele Hundert verschiedene Sprachen in Australien gab. Diese verwirrende Vielfalt erklärt sich unter anderem durch die zeitlich unterschiedliche Zuwanderung. Südliche Stämme sind älter als die neu zugewanderten Stämme im Norden. Mit der fortschreitenden Kolonialisierung gingen jedoch mehrere Hundert dieser Sprachen verloren. Auf der Suche nach ihren Wurzeln beschäftigen sich inzwischen viele Stämme der Aborigines wieder intensiv mit der Sprache ihrer Urahnen. Hier ganz besonders im Bundesstaat Northern Territory. In Schulen gibt es wieder zweisprachige Klassen, in denen die Kinder Unterricht in Englisch und einer ihrer ursprünglichen Sprache erhalten. Die Sprachen selbst sind außerordentlich komplex. Die Aborigines gebrauchen zum Beispiel Dutzende von Ausdrücken, um die Tageszeiten wiederzugeben. Für Nicht-Aborigines ist das Erlernen der Sprache sehr schwierig, allein schon deshalb, weil die vielsilbigen Wörter für Fremde sehr schwer auszusprechen sind. Rund 80 Prozent der australischen Bevölkerung, rund 18 Millionen Menschen, sprechen Englisch. Da es ein Land von Einwanderern aus Europa und Asien ist, werden natürlich auch noch viele weitere Sprachen gesprochen. Um sich verständigen zu können, sollte man Grundkenntnisse in Englisch besitzen. Aber keine Sorge, die Australier, sind sehr nett und hilfsbereit.

Stellplätze, Straßen, Diesel und Kommunikation

Stellplätze in Australien sind ein Traum. Es gibt sie in einer großen Vielfalt und Häufigkeit. Somit ist für jeden Wohnmobil- und Camper-Reisenden etwas dabei. Auch für alle, die mit dem Zelt unterwegs sind, gibt es hier eine tolle Infrastruktur. Vom High-Quality-Stellplatz bis hin zu Plätzen im Nirgendwo gibt es alles.

Auf den Straßen kann man überall problemlos fahren, wobei es ratsam ist, die Hinweisschilder zu beachten. Hier sprechen wir aus eigener Erfahrung. Wenn es einen Hinweis auf der Strecke gibt, zum Beispiel, dass die Schotterstrecke nur mit „4-WD“ (Allrad) zu befahren ist, sollte man dort auch nur mit „4-WD“ fahren.
Diesel war immer ohne Probleme ausnahmslos und günstig zu bekommen. Der Liter kostete zwischen 0,80 € und 1,00 €.
Für die Kommunikation haben wir eine SIM-Karte von „TELSTRA“ in einem Einkaufszentrum gekauft. Internet, 43 GB Datenvolumen, für 42 Tage für ca. 33,00 €. Wir hatten fast nie Probleme mit der Kommunikation via Internet. Auf den langen Strecken im Nirgendwo der Highways hat man zumindest im Umfeld der Roadhouses fast immer Netz .

Das hat uns in Australien besonders gefallen

  • die Freundlichkeit, die Hilfsbereitschaft auf der Straße, die unkomplizierte, direkte und ehrlich Art der Australier
  • sehr gute Straßenverhältnisse, Highways auf denen das Fahren Spaß macht und entspannend ist, kaum Baustellen
  • eine top Infrastruktur für Camper-/Wohnmobilreisende 
  • die Vielfalt der unterschiedlichen Landschaften

Das hat uns in Australien nicht gefallen

  • Die Massen von Fliegen, insbesondere in den Nördlichen Regionen

Weitere Beobachtungen

Die durch die großen Waldbrände geschädigte Natur, „lebt“ und beginnt sich wieder mit neuem Leben zu füllen. Auch wenn es noch sehr viele Jahre dauern wird.

Zum Abschluss noch ein paar persönliche Worte:

Carsten

Eins steht fest: egal in welchem Land – ich brauche das flexible Reisen, wie mit Kumpel! So haben wir (wieder) tolle Menschen kennengelernt und dieses Land viel direkter erlebt!

Manni

Ein schönes, interessantes und vielfältiges Reiseland. Unkomplizierte Menschen mit einer eigenen Lebenskultur.

Australien ist ein tolles Land und wir nehmen viele Eindrücke mit. Wir sind am Ziel unserer Tour angekommen. Ganz herzlichen Dank an alle, die uns soweit begleitet haben!

Ganz herzliche Grüße
Euer Carsten und Euer Manni

2 Comments

  1. Hallo ihr beiden,
    mit Hingabe habe ich Eure wöchentlichen Reiseberichte verschlungen.
    Was mache ich bloß künftig Freitags ohne Eure Eindrücke von der Welt 😉 ?

    Ihr habt etwas Einmaliges erlebt und gleichzeitig viel Gutes getan. Das zeigt uns, daß man alles schaffen kann, wenn es ein echter Herzenswunsch ist.
    Der Glaube versetzt Berge und wird am Ende Realität.

    Kommt gut wieder nach Hause und toi, toi, toi für das erste Enkelkind, Doris und Carsten !
    Euer Peter aus Unterglinde

  2. Rainer Nedwed Reply

    Den Text meines Vorgängers Peter Jacobsen übernehme ich voll und ganz!

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