Kumpel in Sicht

Heute, am Mittwoch den 19. Februar 2020, sollte er endlich in Fremantle ankommen. Unser “Kumpel”!
Wir starteten den Tag mit einem Besuch bei unserem Fahrzeugimporteur. Emilio, der Managing Director von “Universal Customs Brockers”, war ein Profi und wusste, was alles zu tun ist. Wir klärten alle Formalitäten für die Einfuhr und Abholung von “Kumpel”. Wenn alles gut läuft mit der Verzollung und der Quarantäne, sollten wir in einer Woche wieder on the Road sein – mit KUMPEL. Lassen wir uns überraschen.
Nun hatten wir ja Zeit. Daher haben wir uns die Ausstellung „Sculpture at Bathers Beach“ in Fremantle angeschaut. Dargestellt wurden westaustralische Skulpturen. Es war eine dynamische Mischung von Skulpturen bekannter Künstler und neuen, aufstrebenden Talenten. In schöner Strandlage wurde uns die großartige westaustralische Kunst nahe gebracht. Das war eine schöne Abwechslung.
Im Anschluss bummelten wir durch die City von Fremantle. Da waren wir bis jetzt noch nicht gewesen. 

Kumpels Ankunft

Am späten Nachmittag bezogen wir Stellung am Leuchtturm. Dort erwarteten wir unser Schiff mit “Kumpel” im Gepäck. Wäre die “Positive Star” pünktlich um 19 Uhr angekommen, hätten wir die Ankunft mit dem Sonnenuntergang genießen können. Aber um 19 Uhr war von “unserem” Schiff nichts zu sehen. Stattdessen schipperte die „Queen Mary 2“ an uns vorbei. Sie hatte gegen 19 Uhr im Hafen von Fremantle abgelegt und fuhr jetzt auf den Indischen Ozean. Ein beeindruckendes Schauspiel, was von vielen Menschen verfolgt wurde. 

Mit über eine Stunde Verspätung erschien dann, dass von uns so sehr erwartete RoRo-Schiff, die “Positiv Star” am Horizont. Das Schiff war da! Wir machten bei der Einfahrt ein Video und natürlich auch einige Fotos. Wir sind dann noch zum Hafenkai, an dem das Schiff fest vertaut wurde. Ab jetzt mussten wir wieder warten. Auf die Schiffsarbeiter, die Behörden von Zoll, Quarantäne, Sicherheit und so weiter. Wir hoffen, dass wir bald wieder mit “Kumpel” über Australiens Straßen fahren dürfen. Glücklich, dass das Schiff gut angekommen war, ließen wir den Abend ausklingen.

Unterkunftswechsel

Am Tag darauf war Umziehen angesagt. Wir wechselten unsere Unterkunft. Auf dem Weg zu unserer neuen Unterkunft sammelten wir noch Silke, Carstens Schwester, ein. Sie verbringt die nächsten Tage bei uns. Dann machten wir einen kurzen Abstecher zum Hafen. Die “Positive Star” stand noch an Ort und Stelle, sonst tat sich noch gar nichts.

Also bezogen wir unsere neue Unterkunft “Garrys Cottage – home away from home”. Wir trafen es sehr gut damit. Das Haus war zwar schon etwas älter, aber dafür sehr gut aufgeteilt und ausgestattet. Es hatte einen Garten und lag in einer ruhigen Wohngegend. Am Nachmittag haben wir uns dann eingerichtet, organisiert, und eingekauft. Abends mussten wir gleich den hauseigenen BBQ-Grill im Garten ausprobieren. Hat gut geklappt!

Kumpel zum Greifen nah

Als erstes ging es am nächsten Tag wieder zum Hafen nach Fremantle. Und? Unsere Herzen gingen auf! Da stand er, unser “Kumpel”. So nah und doch so fern, hinter dem hohen Zaun neben dem Schiff. Wir bekamen die Information, dass wir ihn frühestens am Montag, den 24. Februar abholen können. Also in drei Tagen könnte es soweit sein.
Um die Gegend noch weiter zu erkunden, fuhren wir von Fremantle an der Küste entlang Richtung Norden. Wir kamen an einen Abschnitt, an dem die Vorbereitungen zum „South32 Rottnest Channel Swim“ stattfanden. Das ist ein Wettbewerb, bei dem eine Strecke von 19,7 km durch den Ozean geschwommen wird. Also ein “Open-Water-Bad” von Cottesloe Beach nach Rottnest Island. Wir bekamen einige Informationen zur Organisation und zum Ablauf. Der Start sollte am nächsten Morgen um 5:45 Uhr erfolgen. Es waren rund 1.100 Teilnehmer gemeldet. Dieser Programmpunkt kam für den nächsten Tag auf unsere ToDo-Liste.  

Wir fuhren weiter in das lokale Verwaltungsgebiet „City of Sterling”, das direkt an die Küste grenzt. Hier trennten sich unsere Wege für ein paar Stündchen. Jeder tat das, worauf er Lust hatte. Unter anderem gehörte schwimmen im Meer und ein Besuch im Pub zu den Aktivitäten des Nachmittags. Zum Abschluss des Tages besuchten wir dann den „Fremantle Market von 1897“. Das prächtige alte viktorianische Gebäude wurde von den Architekten Eales und Oldham entworfen. Sir John Forrest, der Premierminister von Westaustralien, legte am 6. November 1897 den Grundstein. Dieses Gebäude ist eines von nur zwei erhaltenen kommunalen Marktgebäuden in ganz Westaustralien. Und es wird noch heute, als eines der wenigen, für seinen ursprünglichen Zweck genutzt. Wir waren beeindruckt. Im Laufe der Begehung stellen wir fest, dass für uns wesentliche Dinge fehlten. Es gab keinen Fisch, kein Fleisch und kein Bier! 

Strandspaziergang und Bier

Tja, den Start des „South32 Rottnest Channel Swim“ Wettbewerbs haben wir wohl entspannt verschlafen. Also mussten die Schwimmer ohne unsere Anfeuerungsrufe die Strecke durch den Ozean zurücklegen. Halb so schlimm. Wir frühstückten erstmal in Ruhe. Da auch wir etwas Bewegung benötigten, entschlossen wir uns, zu einem langen Strandspaziergang aufzubrechen.
Wir stellten unseren Wagen am Port von North Coogee ab. Einem, in den letzten zehn Jahren erbaute Marina, Ort für eher betuchte Mitmenschen. Hier hat man seine Yacht direkt am Haus und den Indischen Ozean vor der Tür. Unser 15 Kilometer langer Spaziergang führte nach Fremantle. Dort legten wir in der Brauerei “Little Creatures Fremantle” eine kleine Pause ein. Diese nutzen wir für eine Bierverkostung. Wir hatten uns in der „Great Hall“, in der Mitte der Brauerei, platziert, umgeben von Tanks, Brauern und dem unverkennbaren Aroma von Bier. Wir haben alle zehn Biere der Brauerei probiert. Nicht schlecht und jeder von uns hatte seinen eigenen Favoriten.
Zurück ging es wieder am Strand entlang. Dann kauften wir noch Lamm und Bohnen für unser heutiges Barbeque und ließen den Tag ausklingen. 

Die Vorfreude steigt

Den nächsten Tag verbrachten wir mit Wäschewaschen und allem Möglichen, was noch zu erledigen war. Und dann genossen wir das Haus mit Garten und allem “Drumherum”. Die Vorfreude auf ”Kumpel” und unsere baldige Weiterfahrt war groß.

Am nächsten Morgen war Carsten bereits vor dem Frühstück bei unserem Fahrzeugimporteur. Emilio hatte eine erfreuliche Nachricht. Bereits am Nachmittag sollten es soweit sein. “Kumpel” würde dann die gesamte Abfertigung hinter sich haben und wir sollten ihn abholen. Juhu!
Um 14:00 Uhr fuhren wir dann zum Zollgelände. Leider zu spät! Dass dieser Abfertigungsbereich bereits um 14:30 Uhr schließt, hatten wir nicht gewusst. Also werden wir “Kumpel” erst am Dienstagmorgen um 10 Uhr in Empfang nehmen. Aber dann wirklich.
Unsere kleine Enttäuschung brachten wir dann mit einem letzten Blick auf “Kumpel” hinter Gitter und einem kleinen Bummel durch Fremantle hinter uns. Die Vorfreude auf Morgen wurde dann mit einen Kaltgetränk gefeiert. Abends schmissen wir noch ein letztes Mal den Grill im Garten an. Bis jetzt haben wir fast 7.000 Kilometer in Australien zurückgelegt. Wir waren uns aber ganz sicher, die letzten rund 5.000 Kilometer mit “Kumpel” werden die Schönsten sein.

Kumpel ist da!

Endlich war er da, der Tag an dem “Kumpel” wieder zurück ins Team kommt. Carsten war schon beim Frühstück ganz hibbelig. Wir packten unsere sieben Sachen und fuhren dann gegen zehn Uhr zum Hafen. Dort waren wir mit Emilio verabredet. Als wir ankamen, war “Kumpel” noch nicht vor Ort. Zunächst erledigten wir das Organisatorische. Wir bekamen alle Papiere und das Carnet zurück und bezahlten die Rechnung. Gegen 10:20 Uhr kam Wally mit “Kumpel” auf den Hof gefahren.  Wally, eigentlich Walter, war vor Jahrzehnten nach Australien ausgewandert. Er hatte unseren “Kumpel” aus dem geschlossenen Bereich des Zolls und der Quarantäne geholt. Die Wiedersehensfreude war sehr, sehr groß. Es war wirklich ein emotionaler Augenblick.
Wir haben die letzten Wochen und Monate doch einiges zusammen erlebt. Dann wurden erst einmal Fotos gemacht. Emilio hat sich noch auf “Kumpel” verewigt. Wir bekamen das Angebot, “Kumpel in der Halle der Importfirma reisefertig zu machen. Das Angebot nahmen wir gerne an. Wir nutzten direkt die Gelegenheit das auszusortieren, was wir mit nach Deutschland geben wollten. Nach eineinhalb Stunden waren wir fertig zur Abreise.

Aufbruch und Abschied von Silke

Zunächst ging es aber zum Flughafen Perth. Dort gaben wir das Mietauto ab, das uns über 6.000 Kilometer durch Australien begleitet hat. Dann kümmerten wir uns noch um das Paket und die Reisetasche von Silke, Carstens Schwester. Silke würde unser Paket direkt mit nach Hause nehmen. Sie blieb noch eine Nacht in Fremantle, bevor der Heimflug nach Frankfurt am nächsten Abend startet.

Und wir? Wir sind direkt wieder auf Tour. Die ersten 100 Kilometer hatten wir bereits am späten Nachmittag hinter uns. Schon bei unserem ersten Stopp, kamen drei “Jungs” auf uns zu. Ein 25 jähriger Holländer, ein 25 jähriger Neuseeländer und ein 23 jähriger Australier. Sie wollten von uns wissen, wer wir sind und was wir machen. Das ist uns in den ganzen Wochen ohne “Kumpel” nicht einmal passiert. Kein Fremder hatte uns angesprochen oder war an uns interessiert. Wie sehr hatten wir das vermisst.
Auch auf dem Campingplatz von Mandurah, auf dem wir die Nacht verbrachten, kamen wir gleich ins Gespräch. Wir hatten ein Wohnmobil mit Ravensburger Kennzeichen gesehen. Die Besitzer kamen auf uns zu und wir führten eine interessante Unterhaltung. Der Mann, ein ehemaliger Deutscher, der jetzt “Australier” war und seine südkoreanische Ehefrau waren sehr interessiert.
Dann kam ein weiterer Australier zu uns. Er wollte uns vor dem herannahenden Unwetter warnen. Zum Glück zog das Wetter an uns vorbei. Der Abend war dann genau so, wie wir ihn mögen. Wir genossen es und saßen lange mit unserem Kaltgetränk draußen. Was für ein schönes Gefühl.

On the road again

Am nächsten Morgen drehten wir ein kurzes Video am Strand von Mandurah. Sogleich kam eine taffe Gemeindearbeiterin auf uns zu und bot uns an, noch einige Fotos zu machen. Gesagt getan und dann fuhren wir weiter.
Nach rund 100 Kilometern haben wir eine Frühstückpause eingelegt. Wir fanden einen schönen Platz am See von Australind. Wir waren noch nicht ganz fertig, als John, ein rüstiger Rentner, auf uns zukam. Er lebt dauerhaft in seinem kleinen Wohnmobil und bereiste Australien. Von ihm haben wir dann noch einige Tipps für unsere weitere Reise erhalten. Eigentlich hatten wir uns zum Ziel gesetzt, nur bis 14 Uhr zu fahren. Wir hatten doch noch einiges zu tun. Da es auf den nächsten 100 Kilometern aber keine Tankstelle gab, entschlossen wir uns dann noch ein Stündchen dranzuhängen und bis Walpole zu fahren. Dort haben wir zunächst getankt und eingekauft. Den restlichen Tag und die Nacht haben wir im „Colalmine Beach Park“ verbracht.

Morgen geht es dann weiter. Wir genießen die Reise mit “Kumpel” gerade in vollen Zügen und freuen uns schon, Euch bald wieder von unserer Tour zu berichten.

Bis dahin eine gute Zeit!
Euer Carsten und euer Manni

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