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Auf nach Perth

Am Morgen des 11. Februars beschlossen wir, heute doch direkt nach Perth zu fahren. Perth liegt knapp 20 Kilometer entfernt vom Hafen in Fremantle, wo wir “Kumpel” hoffentlich bald wieder in Empfang nehmen. Also haben wir zusammengepackt und uns in unseren Mietwagen geschwungen.

Nach rund 150 Kilometern Fahrt haben wir einen kleinen Stop in Northampton eingelegt. Der Ortskern von Northampton sah wie auf alten Fotos aus. Teilweise noch so ursprünglich wie 1860, zumindest kam es uns so vor. Innerhalb des Ortskerns standen überall bunte Schafe verteilt. Ein nettes Fotomotiv.

Lange haben wir uns nicht aufgehalten, denn immerhin hatten wir heute noch über 450 Kilometer Strecke vor uns. Dabei kam es zu einer besonderen Begegnung mit der Highway Patrol. Beim Überholvorgang eines Roadtrucks war unser Auto wohl doch etwas zu schnell unterwegs. Das entgegenkommende Highway Patrol Fahrzeug ließ seine ganzen Lichter in blau, rot und weiß aufleuchten, als wir aneinander vorbei fuhren. Im Rückspiegel konnten wir die Aktion verfolgen. Wir hielten auf dem Seitenstreifen und warteten auf den Offizier, der ziemlich schnell bei uns war. Er bemerkte, dass wir wohl etwas zu schnell unterwegs waren. Wir wurden gebeten auszusteigen. Gesagt, getan. Wir zeigten Mannis Führerschein, die Fahrzeugpapiere und den Automietvertrag. Der zweite Offizier ließ Manni dann in den Alkoholtest pusten. Das wird in Australien bei jeder Kontrolle gemacht. Nach Prüfung der Papiere wurde dann das “Ticket” präsentiert: 200 AU$. Es kam dann noch ein Hinweis, ob man zahlt oder nicht, müsse jeder selber Wissen. Wir werden sehen.

Wir fuhren in gemäßigterem Tempo nach Perth. Unser Aufenthaltsort für die nächsten Tage. Wie lange genau, wissen wir nicht. Das hängt davon ab wann “Kumpel” auch den roten Kontinent erreicht. Vorerst haben wir uns in einem Privathaus eingemietet. Das Haus heißt: „Nkazi White House”, und es ist wirklich Außen wie Innen sehr weiß. Wir füllten den Kühlschrank mit Einkäufen und machten es uns gemütlich. 

Der Hafen von Fremantle

Am nächsten Morgen haben wir uns ein bisschen eingerichtet. Wir werden hier ja etwas länger bleiben. Dann haben wir unseren Mietwagen von innen gesäubert. Nach dem Frühstück haben wir über schiffsradar.net geschaut, wo “Kumpel” derzeit schippert. Leider mussten wir dann feststellen, dass das Schiff noch nicht richtig weit gekommen war. Das Schiff heißt “Positiv Star” und ist ein Frachtschiff, das unter der Flagge von Panama fährt. Geplant war, dass wir “Kumpel” am 16. Februar in Fremantle begrüßen sollten. Eine Rückfrage ergab dann allerdings, dass das Schiff bis jetzt zwei Tage Verspätung hatte. Mal warten wie lange es dann wirklich noch dauert. 

Daraufhin beschlossen wir, das Mietauto auch noch etwas zu behalten. Um die Miete zu verlängern, und um unsere restlichen Währungen, die sich angesammelt hatten, umzutauschen, fuhren wir zum Flughafen nach Perth. Ein ruhiger, moderner Flughafen. Unser Anliegen konnten wir problemlos erledigen. Jetzt waren wir vier weitere Tage mobil.

Da wir eh unterwegs waren, machten wir noch einen Abstecher in den Hafen von Fremantle. Ja, irgendwie hatten wir doch Sehnsucht nach “Kumpel”. Wir besichtigten zunächst das weitläufige Hafengelände. Ein Hafenarbeiter der uns sah, fragte, ob er helfen könne. Wir erzählten ihm, warum wir hier waren und er zeigte uns den Hafenbereich wo die RoRo-Schiffe ankommen. Bei dieser Art von Schiffen wird die Ladung auf, beziehungsweise vom Schiff gefahren (Roll on – Roll off). So konnten wir uns ein erstes Bild machen. Natürlich war der Bereich Zoll- und Sicherheitstechnisch abgeriegelt aber wir konnten durch einen Eisengitterzaun linsen. Wir sahen dann auch ein ähnliches Schiff, das mit “KUMPEL” gerade unterwegs war.  Immerhin sind wir für den Ernstfall gewappnet und wissen genau, wo “Kumpel” ankommen wird. 

Den Abend verbrachten wir dann bei Pizza und kalten Getränken. Über den im Wohnzimmer befindlichen großen TV-Screen sahen wir uns einen Film an. Ein großer Fernseher ist für angehende Senioren doch empfehlenswert. So ging dieser Tag entspannt zu Ende.

Perth und seine Perthites

Tags darauf stand die Besichtigung von Perth an. Perth ist die Hauptstadt des Bundesstaats Western Australia und hat rund 1.700.000 Einwohner. Die Stadt liegt an der australischen Südwestküste an der Mündung des Swan River. Wir sind mit der Citybahn in die Innenstadt gefahren und haben uns zunächst etwas umgeschaut. Lebenswert, so wird Perth oft bezeichnet. Unter einem nahezu dauerhaft blauen Himmel entfaltet sich das Leben in einem angenehmen Tempo. Es gibt herrliche Strände, globale Restaurants, kleinen Szene-Bars, Straßenkunst und vieles mehr. Frei vom Druck der Überlastung, der Umweltverschmutzung und der Bevölkerung in Sydney, Brisbane oder Melbourne, sind Perth und die benachbarte Hafenstadt Fremantle unkompliziert, uneingeschränkt und lebendig. Es wird gesagt, dass Perth die isolierteste Stadt ihrer Größe ist, aber genau diese Abgeschiedenheit fördert wohl ein nach außen gerichtetes Weltbild. Anstatt in den Urlaub nach Osten zu fahren, reisen Einheimische nach Bali, auf die Malediven, nach Singapur oder Sri Lanka. Einzig der nicht ganz so schöne und eher geologisch klingende Spitzname „Perthites“ für die Einheimischen ein kleiner Negativpunkt.

Wir ließen uns durch die Stadt treiben und genossen den einen oder anderen Service. Auch ein Zahnarztbesuch seitens Carsten stand auf dem Programm. Am späten Nachmittag schlossen wir uns dann den „Perthites“ an. Wir gönnten uns ein Kaltgetränk im Pub. Dann traten wir die Rückfahrt nach “Hause” an.

Eine große Überraschung 

Der Tag startete mit einer großen Überraschung, die sich per WhatApp ankündigte: Ein Überraschungsbesuch aus der Heimat! Silke, Carstens kleine Schwester, war vor Ort in Fremantle, um uns zu besuchen. Damit hatte keiner gerechnet. Die Freude war groß! Am späteren Vormittag trafen wir uns und verbrachten gemeinsam den Tag.
Zunächst ging es nach Araluen, einem botanischen Garten. Dieser entstand um das Jahr 1860. Der Araluen Botanic Park liegt nur 35 km vom zentralen Geschäftsviertel von Perth entfernt in Roleystone. Wir erkundeten den versteckten Garten von Perth mit einem Rundgang. Der in ein einzigartiges, bewaldetes Tal eingebettete Park ist ein ganz besonderer Ort. Er umfasst einen beschaulichen botanischen Garten mit sowohl unberührter als auch gepflegter Schönheit. Es gibt ausreichend Rasenbereiche zum Grillen oder Picknicken und viele Möglichkeiten für herrliche Wanderungen. Es wurden wunderschöne Gärten mit exotischen aber auch einheimischen Arten geschaffen. Wir haben den Spaziergang sehr genossen und viele gute Gespräche geführt.

Am späten Nachmittag waren wir dann einkaufen. Zum Abendessen gab es ein leckeres Curry, das wir gemeinsam gekocht hatten. Natürlich haben wir auch den Abwasch zusammen erledigt. Wir hatten einen wirklich schönen Abend.

Penguin Island

Der erste Blick, noch vor dem Frühstück galt schiffsradar.net. Wo war “Kumpel”? Die Position zeigte uns, dass das Schiff den Hafen von Jakarta bereits verlassen hatte. Jetzt war es auf dem Weg in den offenen Indischen Ozean. Mit 15 Knoten, rund 27,78 km/h hatte es Kurs auf Fremantle genommen.

Nach einem gemeinsamen Frühstück, haben wir uns beraten. Unser Ergebnis, wir machen einen Tagesausflug nach Rockingham zur Penguin Island. Penguin Island ist eine rund 840 Meter lange Insel im indischen Ozean. Sie liegt knapp 800 Meter vor der australischen Westküste bei Rockingham und 50 Kilometer südlich von Perth. Auf dem Weg dorthin haben noch den einen oder anderen Stopp gemacht. Unter anderem einen Spaziergang entlang der schönen Küste von Cape Peron. Des Weiteren erkundeten wir den Shoalwater Islands Marine Park. Das Wasser rund um Cape Peron ist übersät von zahlreichen Riffen. Point Peron und Mushroom Rocks sind interessante Schnorchel- und Angelplätze. Das Nord- und Südende des Strandes von Long Reach ist sanft abfallend und sandig. Eine beeindruckende Landschaft, die wir sehr genossen haben. 

Weiter ging es Richtung Penguin Island. Nach einer kleinen Stärkung beobachteten wir einige weiße Kakadus. Dann fuhren wir auf die Insel. Eine 5-minütige Fahrt mit der Fähre über die wunderschöne Shoalwater Bay genügte, um die kleinsten Pinguine der Welt zu treffen. Wir nahmen uns Zeit, die Pinguine zu betrachten, Naturpfade zu erkunden und etwas zu entspannen. Wir genossen einfach dieses wunderschöne Naturschutzgebiet und hatten einen spektakulären Blick auf den Meerespark. Es gab eine große Kolonie von Pelikanen und viele andere Seevögel, die wir aus nächster Nähe anschauen konnten. Ein weiterer toller Tag an der Westküste Australiens neigte sich dem Ende zu. 

Oldtimer statt “Kumpel”

Der 16. Februar war am Anfang für “Kumpels” Ankunft in Fremantle angesagt worden. Heute war der 16.2. aber “Kumpel” noch auf dem Ozean unterwegs. Dort wird er wohl auch noch bis zum 19. Februar sein. Trotzdem fuhren wir an diesem Sonntag in den Hafen von Fremantle. Fremantle dient als Hafenstadt für Perth, an der Mündung des Swan River gelegen. Am „South Mole Lighthouse“ haben wir zunächst Ausschau nach „Kumpel“ gehalten. Besser gesagt, nach dem Schiff “Positive Star”, auf dem “Kumpel” unterwegs ist. 
Dann sahen wir im Hafengebiet ein Treffen von Oldtimern, die glänzend herausgeputzt waren. Hier haben wir dann die Blicke über Chrome, Lack und Motoren schweifen lassen und die alten Modelle bestaunt.

Im Anschluss sind wir zum Kings Park gefahren. In der Gegend leben an die 7 Prozent der australischen Bevölkerung. Der Kings Park ist einer der größten und schönsten innerstädtischen Parks der Welt. Er ist reich an Geschichte der Aborigines und Europas zeitgenössischer Kultur und bietet innovatives Design. Der Park hat einen internationalen Ruf für wissenschaftliche Forschung, führenden Gartenbau, Naturschutz und öffentliche Bildung. In Kings Park befindet sich der spektakulärste botanische Garten Westaustraliens, in dem über 3.000 Arten der einzigartigen Flora des Staates ausgestellt sind. Zwei Drittel des 400 Hektar großen Parks sind als Buschland geschützt und bieten ein Paradies für einheimische biologische Vielfalt. Wir konnten atemberaubenden Blicke auf die Skyline der Stadt und die Darling Ranges im Osten genießen. Entspannung pur.

Leider war es mit der Entspannung vorbei, als wir mit unserem Mietwagen zurück zur Unterkunft fahren wollten. Es ging plötzlich nichts mehr! Wir hatten leider das Licht nicht ausgemacht und so hatte die Batterie wohl gelitten. Mehrere hilfsbereite Australier kamen mit Starterkabel. Mit einer Überbrückung sollte unser Problem ja schnell gelöst sein. Aber leider funktionierte es nicht. Zwei von einander unabhängige Helfer meinten dann: „It´s not the Battery – it´s the Starting-Maschine“. Wir kontaktierten die Autovermietung. Innerhalb der nächsten zwei Stunden sollte der RAC, die „Gelben Engel“ aus Down Under, zur Hilfe kommen. 

Nach einer Dreiviertelstunde erhielten wir einen Rückruf vom RAC, der Helfer wird innerhalb der nächsten 20 Minuten vor Ort sein. Und dann war er da, ein Profi, der nach Erfassung der Daten, einen kleinen schwarzen Kasten zur Hand nahm und “Saft” gab. Unser Wagen sprang sofort wieder an. Er meinte, dass mit den Überbrückungskabeln wahrscheinlich zu wenig Energie bei der Batterie angekommen war. Das könnte wohl am langen Kabel liegen. Egal, Hauptsache es lief wieder bei uns! Wir fuhren ein bisschen durch die Gegend um die Batterie wieder aufzuladen und traten die Heimfahrt an.

Ausflug nach „Rotto“

Um die Wartezeit auf KUMPEL zu verkürzen, haben wir uns am darauffolgenden Tag für einen Ausflug nach „Rottnest Island” entschieden. Das ist eine Insel vor Fremantle und wird von den Einheimischen liebevoll „Rotto“ genannt. Von Fremantle aus fuhren wir eine gute halbe Stunde mit der Fähre auf die Insel. Viele Reisende kommen nur für einen Tag hierher, so wie wir auch. Man könnte sich aber auch mehr Zeit nehmen, um die richtige Entspannung zu finden.
Mit einer leicht fordernden Radtour, immer wieder rauf und runter, erkundeten wir die Insel. Es gibt über 60 Sandstrände mit transparentem, türkisfarbenem Wasser zum Tauchen und Surfen. Vom durchaus sehenswerten Leuchtturm, hat man einen guten Ausblick auf die gesamte Insel. „Rotto“ ist auch die Heimat des „glücklichsten Tieres der Welt“, des lächelnden Quokka. Quokkas sind eine kleine Känguru-Art, von denen es nach Schätzungen nur noch 6.000 bis 8.000 Exemplare gibt. Die Quokkas leben nur in Westaustralien, die Hälfte von ihnen ist auf Rottnest Island zu Hause. Sie leben in kleinen Gruppen und man sieht sie oft am Straßenrand. Rottnest Island ist für seine hohen Naturschutz- und Gemeinschaftswerte bekannt, alle Pflanzen und Tiere dort sind gesetzlich geschützt.

Wir verbrachten also einen schönen, sonnigen Tag auf der Insel. Wir hätten auch gut noch einige Tage bleiben können. Für uns ging es aber wieder zurück zu unserer Unterkunft und wir waren gespannt, was der morgige Tag bringen würde.

Helfen, immer gerne

Wir starteten entspannt in den neuen Tag. Es mussten mal wieder einige administrative Aufgaben erledigt werden. Erneut haben wir unseren Mietwagen verlängert, in der Hoffnung, dass das letzte Mal war.
Und da gab es da noch eine Aufgabe die uns sehr berührt hat. Es geht um eine junge Frau aus Norddeutschland, die hier in Australien vor kurzem, tödlich verunglückt war. Die Mutter hatte über eine sehr gute Bekannte von Carsten anfragen lassen, ob wir aus der ehemaligen Wohngemeinschaft einige Erinnerungsstücke mit “Kumpel” zurück nach Deutschland bringen könnten. Natürlich helfen wir. Dieses Schicksal kann jeden Treffen. Und mit wenig Aufwand können wir hier helfen und der Mutter vielleicht etwas Trost bringen, den die Erinnerung an ihre Tochter geben kann. Also haben wir die Sachen abgeholt.

Dann haben wir uns noch um einige Dokumente gekümmert, die wir unabdingbar brauchen werden, um “Kumpel” abzuholen. Morgen soll das Schiff einlaufen. Wir hoffen, dass dann alles wie geplant läuft. Natürlich werden wir vom Wiedersehen und der Tour durch Australien, an die Ostküste, weiter berichten. 

Bis bald, dann mit “Kumpel”!
Euer Carsten und Euer Manni

Weiter an der Küste entlang

Ein neuer Tag begann und wieder waren Temperaturen von über 40 Grad angesagt. Also sind wir früh aus Karratha los und in die Richtung der Region Ningaloo nach Exmouth aufgebrochen. An die 570 Kilometer wollten wir heute zurücklegen. Wir fuhren durch weites Steppenland und dann wieder durch eine fast wüstenartige Landschaft. Was uns beiden seit Tagen auf den Senkel ging, sind die unendlich vielen Fliegen. Sobald man das Auto verlässt, sind sie in Scharen da. Carsten war nur noch mit Fliegenschutz zu sehen. Ein Grund für die vielen Tierchen ist die Wet Season. Das ist die von November bis April dauernde Regenzeit im tropischen Norden. Unterwegs schossen wir einige Fotos von den großen Termitenhügeln.

In Exmouth angekommen, steuerten wir zunächst wieder das Visitor-Center an. Zuerst lernten wir, dass Exmouth „EX-MOUTH“ ausgesprochen wird – ohne den Vokalton zu verkürzen. Exmouth ist eine kleine Stadt mit etwa 2.500 Einwohnern. In der viermonatigen Touristen-Saison vervielfacht sich die Bevölkerung. Es gab Supermärkte, Cafés, Tauchshops und einige weitere Geschäfte und Services für Touristen. Das Städtchen ist umgeben von endlosen Stränden, Nationalparks und trockener Schönheit. Man wird immer einen Strandabschnitt oder ein Riff finden, an dem man für sich alleine ist. Sogar in der Hochsaison soll Exmouth noch eine verschlafene Kleinstadtatmosphäre haben.

Wir hatten eine Unterkunft im „Exmouth Cape Holiday Park“ reserviert, die im „BlueReef-Backpackers“ besonders praktische und preiswerte Unterkünfte anbieten. Und das stimmte. Es war kompakt, sauber und für Traveler sehr gut geeignet. Am Nachmittag haben wir uns dann den kleinen Ort und die Einkaufsmöglichkeiten angeschaut. Da wir in der Nebensaison hier waren, hatten viele der Geschäfte geschlossen. Wir haben noch einen kleinen Spaziergang an den örtlichen Strand und den Hafen gemacht und haben den Tag mit einem Rundgang über unser Parkgelände, vorbei an Stellplätzen für Camper aller Art, abgeschlossen. Und wir haben an Kumpel gedacht.

Ningaloo Coast – World Heritage Area

Den nächsten Tag widmeten wir uns der Ningaloo Coast – World Heritage Area. Wir hatten einige Tipps bekommen, wo es sich sehr gut schnorcheln lässt. Dazu fuhren wir rund 30 Kilometer weiter in das Nationalpark Gebiet. Hier wurde dann Eintrittsgeld erhoben, was wir am Automaten entrichteten. Kaum waren wir 200 Meter gefahren, fragte Carsten: “Wo ist mein Handy?”. Wir hielten also erst einmal an, um zu schauen, ob es irgendwie an die Seite gefallen ist. Wenige Sekunden später war, mitten in dieser Einöde, ein Polizei Fahrzeug mit Blau- und Rotlicht hinter uns. Carsten hatte derweil sein Handy, was neben den Fahrersitz gefallen war, wiedergefunden. Die Polizisten wollten von Carsten den NP-Coupon und seinen Führerschein sehen. Wir wurden gefragt, warum wir hier gehalten hatten. Der Coupon und die Frage waren für uns kein Problem. Tja, aber der Führerschein, der  schipperte nämlich in “Kumpel” auf dem Ozean. Carsten zeigte der Polizei nicht etwa seine Kopie, sondern auf seinem Handy eine Ablichtung vom Original. Damit waren die Polizisten zufrieden und Carsten war stolz, was mit der digitalen Welt so alles funktioniert. Wir fuhren weiter zu unserer ersten Empfehlung, dem Lake Side Beach. Das Wasser ist hier türkisblau und der Sand ist fast weiß. Wir hatten Equipment zum Schnorcheln ausgeliehen und stürzten uns in die Fluten. Wir mussten nicht weit ins Wasser, um die Korallenbänke mit vielen bunten Fischen aller möglichen Größen zu sehen.

Wir klapperten noch drei weitere Empfehlungen ab: Oyster Stacks, Turquoise Bay und Osprey Bay. An den Stränden war es zwar „nur“ 32 Grad warm, aber wir mussten sehr aufpassen, dass wir uns keinen Sonnenbrand holten. Zum Abschluss unserer Beach-Tour ging es zum „Lighthouse“, wo zwei Kängurus auf uns warteten. Das war ein erholsamer Tag an den schönen Stränden der Exmouth Coast. Der nächste Küstenabschnitt wartet bereits morgen auf uns.

Weißer Sandstrand und türkisblaues Wasser

Als wir am nächsten Tag in Coral Bay ankamen, wurden wir von einem wunderschönen Strand überrascht. Wir hielten an und es war sofort Schwimmen angesagt. Überall türkisblaues Wasser und feinster weißer Sandstrand.
Coral Bay ist eine kleine Siedlung, die durch das Ningaloo-Riff vor dem Indischen Ozean geschützt liegt. Es ist Australiens einziges Saumriff. Im Gegensatz zu anderen Standorten, beginnt die Koralle hier direkt am Wasser. Die Fische und die Koralle sind für alle zugänglich, auch für kleine Kinder. Fische und Korallen können entweder beim Schnorcheln oder auf einem der Coral-Viewing-Boote beobachtet werden. Coral Bay liegt etwa 50 Kilometer nördlich des Tropengebiets von Capricorn und etwa 140 Kilometer südlich von Exmouth in Westaustralien. Es gibt mehrere Resorts und Caravan Parks sowie rund 20 Häuser. Coral Bay zählt zu einem beliebten Urlaubsziel für Westaustralier und einigen Übersee-Rucksack-Touristen.

Nach unserem ersten Bad im Ozean, gönnten wir uns ein üppiges zweites Frühstück. Man weiß ja nie, was noch kommt. Auf einem kleinen Spaziergang trafen wir auf deutsche Wohnmobil-Touristen. Sie verbringen hier acht Wochen. Wir haben uns ausgetauscht und ein paar Fotos gemacht. Wir als „Beach Boys”.

Dann ging es weiter nach Carnarvon, unserem heutigen Tagesziel. Wir hatten eine Unterkunft über Booking gebucht. Diese hatte eine Toplage direkt am Ozean, aber das war auch alles, was top war. Wir stornierten noch vor der Unterkunft. Wir fanden dann über Airbnb Ersatz im Ort. Etwas anders als normal, aber kreativ und ansprechend. Wir nutzten dann die Möglichkeit, wieder einmal selber zu kochen und noch einige administrative Dinge zu erledigen. Da für die Westküste ein Zyklon in Anmarsch war, waren wir gespannt, ob wir von dem Ausläufer noch etwas mitbekommen. Das Zentrum lag in Port Hedland und Karratha, dort, wo wir vor kurzem noch waren.

Shark Bay

Am nächsten Morgen ging es weiter Richtung zur Shark Bay und dann wollten wir nach Monkey Mia zu den Delphinen. Wir hatten rund 380 Kilometer Weg vor uns.
Die Shark Bay World Heritage Area war 1991 der erste Ort in Westaustralien, der den UNESCO-Status erhielt. Das Gebiet erfüllt vier der zehn erforderlichen Naturkriterien. Das geschützte Gebiet umfasst etwa 23.000 km² und beherbergt ein farbenfrohe und vielfältige Landschaften. Das Gebiet enthält Pflanzenarten, die einzigartig sind und für die Wissenschaft als neu gelten. Des Weiteren leben fünf der 26 gefährdeten australischen Säugetiere sowie 35 Prozent aller australischen Vogelarten hier. In der Shark Bay sind 28 verschiedene Haiarten heimisch.

Unsere Fahrt zu den Delphinen nach Monkey Mia war leider umsonst. Uns wurde geraten am frühen Morgen, gegen 7:45 Uhr vor Ort zu sein.
Da uns die gebotene Unterkunft in Monkey Mia viel zu teuer war, fuhren wir zurück nach Shark Bay. Auf dem Weg dorthin machten wir noch einen Stopp an der Little Laguna. Eine angemessene Unterkunft fanden wir dann auch und haben den Tag dann gemütlich ausklingen lassen.

Delphine hautnah

Wie am Vorabend geplant, ging es Morgens um 7:00 Uhr nach Monkey Mia. Wir wollten bei den Delphinen bei der Fütterung in ihrer natürlichen Umgebung zusehen. An diesem Sonntagmorgen waren wir nicht alleine dort. Mit über 100 Besuchern schauten auch wir der Fütterung der wilden, frei lebenden Delphinen zu. Heute waren sechs Delfine zum “Frühstück” erschienen. Während der Regenzeit ist die Fütterung am Morgen um 7:45 Uhr. Gegen 7:30 Uhr finden sich die Tiere in der Bucht ein. Ob die eine innere Uhr haben?
Die freundliche Gruppe wilder Delphine schwimmt regelmäßig zum Ufer von Monkey Mia. Dort interagieren sie täglich mit Menschen. Es sind frei im Ozean lebende, wilde Tiere. Vier bis sieben von ihnen besuchen täglich die Fütterung. Gelegentlich kommen bis zu 20 andere Delphine. Diese gelegentlichen Besucher bleiben vor der Küste und bevorzugen es, einen sicheren Abstand zum Menschen zu halten. Es kann einige Jahre dauern, bis die Delphine genug Selbstvertrauen haben, um sich näher an die Küste zu wagen. Monkey Mia ist als einer der besten und zuverlässigsten Orte für die Interaktion mit Delfinen. Er ist weltweit bekannt und der einzige Ort in Australien, an dem Delfine nicht nur saisonal, sondern auch täglich zu Besuch sind. Forscher aus der ganzen Welt kommen hierher, um diese faszinierenden Kreaturen zu untersuchen.
Auch wir beide haben dieser, wohl für Touristen eingeführten, Fütterung zugeschaut. Wir waren beide der Meinung, dass dies eine Attraktion ist, die hilft, dieses Projekt und den World Heritage Park und den Wildlife Service Ort zu finanzieren. 
Es war ein tolles Erlebnis die Tiere in freier Wildbahn und doch so nah zu sehen.

Im Anchluss an die Fütterung sind wir dann zurück nach Shark Bay gefahren. Wir haben gepackt und sind in Richtungen Kalbarri National Park gestartet, unserem heutigen Tagesziel. Am Ortsausgang stand einer der wenigen Hitchhiker (Tramper) die wir bis jetzt gesehen hatten. Wir stoppten und fragten den jungen Mann wohin er wollte. “Cable Bay”, war seine Antwort. Unser Angebot, ihn bis zum HWY 1, also rund 130 Kilometer mitzunehmen, kam ihm sehr entgegen. Dort würde er auf mehr Mitfahrgelegenheiten treffen. Während der Fahrt tauschten wir uns dann etwas aus. Andi war ein 27 jähriger Slowake auf seiner zweiten Australienreise. Er war bis jetzt immer als Hitchhiker unterwegs und übernachtete im Zelt oder in einem Hostel. Dieses mal bereist er noch bis April den Norden Australiens. Dann geht es nach Norwegen. Dort wartet ab Ende Mai ein Job als Gärtner auf ihn. Im Anschluß daran will er nach Südamerika. Ein sympathischer junger Mann, der sich durch das ungefähr halbjährliche Wechseln von Travellen und Arbeiten die Welt erschließt. Am Roadhouse wünschten wir uns gegenseitig „gute Weiterreise“. Und die hatten wir. Wir sind gut in Kalbarri angekommen.

Das „Fenster der Natur“

Der nächste Tag begann wieder mit einer Fütterung freier, wilder Tiere. Dieses Mal waren es Pelikane im Kalbarri National Park. Als wir ankamen, waren die Pelikane schon da und warteten auf ihr Futter. Alle Anwesenden wurden gebeten, sich an einige Regeln zu halten, um die Tiere nicht zu stressen. Gesagt, getan! Es war toll mit anzusehen, wie vertraut die Tiere waren. Die Fütterung ist eine schöne Attraktion, die einigen Freiwilligen zu verdanken ist.

Nach der Fütterung fuhren wir ins Visitor-Center und anschließend zum „Fenster der Natur“. Dieser erstaunliche und einzigartige Felsbogen befindet sich im Herzen des Kalbarri-Nationalparks. Das natürliche Felsfenster befindet sich am Rande einer großen Klippe und bietet eine spektakuläre Kulisse, um den Fluss in 150 Metern Tiefe zu betrachten oder zu fotografieren. Das “Fenster der Natur” ist zu einem Wahrzeichen von Kalbarri geworden.
Den Besuchern wird geraten, drei Liter Wasser pro Person dabei zu haben und sich mit einem Fliegennetz auszustatten. Ohne Fliegennetz wären wir niemals losgegangen. Leider war der Abstieg, zum „The Loop“ heute gesperrt. Das war ein acht Kilometer langer Rundwanderweg, den Carsten gerne gegangen wäre, aber er musste umkehren. Hier draußen waren mindestens 10 Grad mehr auf dem Thermometer als im Ort. Das hatte zur Folge, dass Handy und Kamera erstmalig anzeigten, dass das jeweilige Gerät überhitzt war. Das war Premiere auf unserer Reise.

Wir legten eine kleine Pause in unserer schönen, direkt an der Küste gelegenen Wohnung ein. Später ging es dann zur “Natural Bridge”. Der einst widerstandsfähigen Island Rock, der den Kräften des Ozeans nachgab, war Teil der Küste. Heute ist es ein einsamer „Seestapel“, der spektakulär durch das Brechen und Zerfallen der Klippen geformt wurde. Er bietet dem Betrachter einige erstaunliche, prekäre Felsformationen. Die Nationalbrücke ist, wie der Name schon sagt, eine vollständig ausgebildete Kalksteinbrücke, die noch immer an der Küste von Kalbarri befestigt ist. Nur einen kurzen Spaziergang vom Parkplatz entfernt, genossen wir einen atemberaubenden Blick auf die Küste. Anschließend ging es zum “Eagle Rock”. Es ist ein weiteres wertvolles Stück der fantastischen Naturlandschaft entlang der Küste von Kalbarri. Vom Parkplatz aus ist es ein wenig umständlich, über das etwas unwegsames Gelände zum einsamen Strand zu gelangen. Aber die Mühe lohnt sich. Man wird mit einem herrlichen Blick auf das Meer und die zerklüftete Küste sowie auf die roten Gesteinsschichten der Schlucht hinter dem Strand belohnt. Der Strand ist ein wahres Juwel mit wildem Flair. Den Anblick werden wir in Erinnerung behalten.

Am späten Nachmittag kochten wir dann in Gedanken an die Heimat Würstchen, Kartoffelpü und Möhren. Danach machten wir einen Verdauungsspaziergang an der Küste. Die Sonne verabschiedete sich ins Meer und wir konnten noch einige schöne Fotos einfangen.

Morgen geht es weiter und wir werden bald Perth erreichen. Dort werden wir die weitere Zeit verbringen und warten, bis “Kumpel” ankommt. Wahrscheinlich wird das jetzt doch erst am 18.2. sein. Aber man weiß ja nie.

Bis dahin viele Grüße aus dem heißen Australien!
Euer Carsten und Euer Manni

Die erste Schritte auf dem roten Kontinent

Wir landeten am 27. Januar um 5:20 Uhr auf australischem Boden. Die Ausreise von Bali war problemlos verlaufen und auch der “Immigration Check” in Darwin verlief gut. Eine Warteschlange beim Zoll hielt uns noch ein wenig auf, aber um 6:15 Uhr wurden wir auch dort durchgewinkt, ganz ohne Kontrolle.

Wir hatten im Flugzeug Erkundigungen eingeholt und uns beraten lassen, wie wir die uns zur Verfügung stehenden Zeit am besten verbringen könnten. Unser Ziel war es ja, “Kumpel” am 15. Februar vom Schiff in Fremantle abzuholen. Wir hatten uns entschieden, die Strecke von etwas über 4.000 Kilometern mit einem Mietwagen zurückzulegen. So hatten wir dann auch die Möglichkeit, das eine oder andere Anzuschauen. Das Problem waren die hohen OneWay-Kosten. Wir mussten ja nur hin, nach Fremantle, aber nicht wieder zurück.
Nachdem wir am ersten “Rent-a-Car Counter” erfahren hatten, dass heute Feiertag in ganz Australien war, schwand bereits unsere Hoffnung. Aber wir hatten Erfolg. Wir fragten bei mehreren Rent-a-Car Firmen nach und bekamen schließlich ein Angebot, das ein Drittel unter den bisherigen Angeboten lag. Zunächst sollten wir einen  Kleinwagen erhalten. Letztendlich bekamen wir einen guten Mittelklassewagen und unserem Start in Australien stand nichts mehr im Wege. 

Tourstart in Down Under

Gegen 8:30 Uhr starteten wir unsere Tour Richtung Katherine. Als erstes haben wir uns mit den notwendigsten Dingen versorgt. Wir kauften unter anderem eine Kühlbox, Messer sowie einige Lebensmittel. Da wir am Vortag auf Bali viel unterwegs gewesen waren und im Flugzeug wenig Schlaf bekommen hatten, verbanden wir unseren Frühstückstop mit einem Nickerchen. 

Danach gings munter weiter. Unser erstes, angepeiltes Quartier für die Nacht war nichts. Es war niemand anwesend. Also fuhren wir weiter. Wir sahen ein Hinweisschild: “ROBIN FALLS – 8 km”. Wir schauten uns an und bogen ab. Eine Erfrischung würde uns sicher gut tun. Ohne zu wissen was uns erwartet, fuhren wir weiter. Der Weg war etwas unkomfortabel, aber wir kamen ans Ziel. Zu den Robin Falls ging es eine Viertelstunde zu Fuß weiter. Leider hatte uns niemand berichtet, dass der Weg etwas uneben war. Mit festem Schuhwerk wäre es kein Problem gewesen, aber mit Badelatschen schon. Wir kamen heil an und wurden belohnt. Ein kleiner “Pool” unter dem Wasserfall bot sich an, die fehlende Dusche vom Morgen nachzuholen. Gesagt, getan, raus aus den Klamotten und unter die natürliche Dusche. Herrlich!

Kängurus in Sicht

Kaum wieder am Auto und in den Klamotten, kam ein richtig starker Regenschauer. So kannten wir es bisher nur aus Asien mit seinen “Monsunschauern”. Unterwegs sahen wir am Wegesrand unsere erste Kängurufamilie in freier Wildbahn. Das war ein tolles Gefühl! Mit der Unterkunft hatten wir heute wenig Glück. Wir fanden zwar eine, aber die war sehr teuer. Da uns die noch 160 Kilometer bis Katherine zu weit für heute waren und wir nicht mehr weiter wollten, blieb uns aber nichts anderes übrig. Dann sagten wir gute Nacht und freuten uns auf den morgigen Tag.

Auf nach Katherine

Am Morgen fuhren wir von Douglas Daly Park rund 28 Kilometer zurück auf den Stuart-Hihgway 1. Unser Tagesziel Katherine war heute nur an die 160 Kilometer entfernt. Dort angekommen fuhren wir, nach einem Stopp beim Supermarkt, zunächst ins Visitor Center der Region. Hier hatten wir Glück. Wir trafen auf Annika.  Annika ist aus Deutschland und lebt seit fünf Jahren in Australien. Sie versorgte uns mit den notwendigen Informationen, gab uns Tipps für den kommenden Tag und half bei der Unterkunftssuche. Da wir noch einiges aufzuarbeiten hatten, durften wir das Visitor-Center für die kommenden Stunden als unser Büro nutzen. Herzlichen Dank! Sogar mit Strom, WLAN etc.! Wir fuhren in unser Motel, das wir für zwei Nächte gebucht hatten.

Nitmiluk National Park

Tags darauf ging es nach unserem Frühstück Richtung Nitmiluk National Park. Dieser war 35 Kilometer entfernt von Katherine. Die Hauptattraktion, der Katherine River, wollten wir uns nicht entgehen lassen. Es ist ein imposanter Fluss mit über tausenden von Jahren in Sandstein geformten Schluchten. Wir trennten uns und jeder machte sein Ding. Manni ging auf Bootstour und Carsten machte eine Hiking-Tour. Die Bootstour begann mit Hanna und Jackson, den Ranchern und Manni. Als einziger Touri bekam er von Hanna auf der 2,5 stündigen Fahrt einen ausführlichen Vortrag zur Geschichte, Geologie und den Besonderheiten des Rivers und den Schluchten. Ein Stopp wurde bei originalen Wandmalereien der Aborigines  eingelegt. Diese Zeichnungen sind uralt und waren die Vorgänger von Schriften, also den gemalten Informationen für die Nachwelt. Einmal musste das Boot gewechselt werden, dazu gab es einen kleinen Fußweg. Auf der Rücktour wurde ein Stopp an den „Southern Rockhole“ eingelegt. Manni hatte die Gelegenheit, in einem schönen Naturpool mit Wasserfall schwimmen zu gehen. Die nutzte er und hatte das Wasser  ganz für sich allein. Carsten hatte unterdessen seine Hiking-Tour nach rund einer Stunde abgebrochen. Die Fliegenplage war zu groß und die Tour hatte keine Freude mehr bereitet.

Wir fuhren zurück, um noch Katherine Hot Spring zu besuchen. Ein Tipp von Annika. Die warmen Quellen befinden sich am Ufer des Katherine River und bilden eine Reihe von Becken mit klarem Wasser, die von tropischer Vegetation umgeben sind. Normalerweise sind die Hot Springs zu dieser Jahreszeit geschlossen, aber es gab einen freien Seitenzugang und so konnten wir im 28 Grad warmen Wasser ein Bad nehmen.
Auf dem Rückweg haben wir einen Abstecher ins Visitor-Center zu Annika gemacht. Sie begrüßte uns strahlend und berichtete, dass sie heute den “permanent-resident- Status” erhalten hatte, nun also Inhaberin eines ständigen Aufenthaltsvisums war. Sie freute sich riesig. Nach einem gemeinsames Eis zum Abschied, fuhren wir zu unserem Motel und erledigten noch das ein oder andere.

Glücksbäume

Weiter ging es am nächten Morgen Richtung Westküste über den Highway 1. Laut unserem Navi ging es 489 Kilometer geradeaus bis zur Abbiegung nach Lake Argyle. Auf der gesamten Strecke begegneten uns nur ein dutzend PKWs und LKWs. Und das auf einer Strecke wie von Hamburg nach Frankfurt. Es gab wenig Abwechslung, meist ging es geradeaus und die Landschaft sah immer gleich aus. Das erste Roadhouse, das wir sahen, nutzten wir für eine Kaffeepause.

Es folgten weitere Stunden durch die monotone Landschaft des australischen Hinterlandes. Auf einmal sahen wir sehr interessant aussehende Bäume. Es waren „Brachychiton rupestris“, die des Öfteren im Hinterland Australiens zu sehen sind. Der sogenannte Flaschen- oder auch Glücksbaum wächst auf den Oberflächen und den Steigungen von Hügeln oder von Kanten im niedrigen Hügelland, im Lehm, im Schiefer oder im Basaltboden. Einige Exemplare haben wir natürlich fotografiert.

Western-Australian Border

Wir erreichten einen Quarantäne-Grenzkontrollpunkt an der Western-Australian Border. Hier wird kontrolliert, damit keine frischen Lebensmittel “eingeführt” werden. Das Ministerium für Landwirtschaft und Ernährung (DAFWA) für Quarantäne (WA) in Westaustralien unterhält diese Grenzkontrollstellen als erste Verteidigungslinie gegen das Eindringen von unerwünschten Schädlingen, Unkräutern und Krankheiten, die auf Fracht, Frachtgut und anderen von der Interstate eingebrachten Gegenständen eintreffen könnten. Die Straßenkontrollpunkte in Kununurra sind das ganze Jahr über rund um die Uhr geöffnet. Wir waren gut vorbereitet und es gab nichts zu beanstanden. Und so konnten wir ohne Probleme passieren.

Kurz darauf sahen wir die Abbiegung zum Lake Argyle. Der Lake Argyle ist ein großer Stausee mit einem Damm aus den 70er Jahren. Heute ist es ein großes Freizeitparadies und Westaustraliens größtes und Australiens zweitgrößtes künstlich angelegtes Süßwasserreservoir. Das Reservoir ist Teil des Ord River Irrigation Scheme und befindet sich in der Nähe der Stadt Kununurra im Osten von Kimberley. Hier kann man Vögel beobachten, Boot fahren, campen, Kanu oder Kajak fahren, klettern, angeln, segeln, und und und.
Derzeit war hier „out of Saison“, dennoch sollte die Übernachtung über 250 australische Dollar kosten. Dies war uns entscheidend zu viel und wir fuhren weiter bis nach Kununurra. Wir fanden ein Airbnb-Angebot im Netz und kontaktierten den Anbieter. Er navigierte uns per Handy direkt zur Unterkunft. Ein Einzimmer- Appartement mit Küche und Bad. Hier blieben wir. Nach dem Einkauf kochten wir Pasta, Garnelen mit Tomatensoße und Salat. Lecker war´s.

Nach einer Kommunikation mit Zuhause, unserem Team und etwas Büroarbeit waren wir wirklich etwas geschafft. Wir stellten beide fest, uns fehlt der „KUMPEL“. Hotels, Resorts, Appartements waren ja ab und zu ganz nett. Aber wir sind eben im Herzen Camper. Noch zwei Wochen, dann sind wir hoffentlich wieder ein ganzes Team!

Tags darauf ging es weiter Richtung Westküste. Es liegen noch über 1.000 Kilometer vor uns. Bevor wir aus Kununurra rausgefahren sind, haben wir uns noch mit Fliegenschutznetzen ausgestattet. Außerhalb der Orte sind die kleinen Tierchen die reinste Plage. Der Highway 1 zeigte sich heute etwas abwechslungsreicher als gestern. Wir konnten Termitenhügel von beachtlicher Größe rechts und links der Straße sehen.

Unser erster Stopp heute war erneut ein Roadhouse. Dieses mal in Warmun. Auf den weiteren 30 bis 40 Kilometern sahen wir keine Termitenhügel mehr. Später waren diese wieder in großer Vielzahl und allen Größen vorhanden, merkwürdig. Vielleicht gab es unterschiedliche Bodenverhältnisse. Wir wussten es nicht.

Wenn man dann Kilometer um Kilometer hinter sich bringt, hat man Zeit, sich viele Gedanken zu machen. Unser Thema Anna. Wir hatten mitbekommen, dass es bei Anna gerade nicht so gut lief. Die Reha ließ auf sich warten, es war doch alles bürokratisch und Anna musste selber etwas tun und machen, um eine neue Lebensperspektive zu finden. Wie und was? Unser Ansatz: Vielleicht würde es helfen, für eine längere Zeit – in einer neuen Umgebung – neue und zum Teil auch mit ähnlichem Schicksal belegte Menschen kennenzulernen und sich auszutauschen. Am besten mit psychologischer Begleitung. Vielleicht würde es Anna guttun, neue, interessante Orte und Aktivitäten kennenzulernen und aufzusuchen: Behindertensport, Interessengruppe und Freizeitaktivitäten wie Kino, Konzerte etc.. Wir wollen Anna helfen und haben unsere Gedanken an Dr. Angela Langholz vom Verein “Schicksale, die zu Herzen gehen” weitergegeben. Wir hingen unseren Gedanken hinterher.

Am späten Mittag erreichten wir Halls Creek, unser anvisierte Ziel für heute. Wir besichtigten den Ort und beschlossen, doch rund 270 Kilometer weiter nach Fritzroy Crossing zu fahren. Aber erst wurden noch einige Fotos von den Aborigines Arts gemacht, die den Ort schmückten.

Die weitere Fahrt zog sich dann doch dahin und wir kamen erst gegen 18 Uhr an. Das Unterkunftsangebot in diesem Ort war leider begrenzt. Im “Inn” wollten sie für ein kleines Zimmer mit einem Bett so viel haben, als wollten wir in Hamburg an der Binnen-Alster nächtigen. Das machten wir nicht. Bei Airbnb gab es kein Angebot, aber wir fanden ein Motel. Das war auch nicht gerade günstig, aber hier waren das Zimmer und die Ausstattung ok. Hier gönnten wir uns dann ein „Steak al Australia“, gut und lecker und ließen den Abend ausklingen. Morgen werden wir die Küste erreichen.

Endlich am Ozean

Nach dem Auschecken im Motel, ging unsere Fahrt weiter nach Broome, Cabel Beach. Hier hatten wir bereits über Airbnb ein Zimmer gebucht. Die Landschaft der nächsten 300 Kilometer war landschaftlich nicht viel abwechslungsreicher als an den Vortagen. Wir kamen also entspannt ans Ziel.
Broome ist eine am Indischen Ozean gelegene Küstenstadt in der Region Kimberley, im Norden Westaustraliens. Sie liegt rund 2.200 Kilometer entfernt von Perth. Cable Beach ist ein 22 Kilomter langer, weißer Sandstrand am östlichen Indischen Ozean und der Name des umliegenden Vororts in Broome. Cable Beach wurde nach dem 1889 zwischen Broome und Java verlegten Telegraphenkabel benannt. Hinter dem sehr flachen und breiten Strand erheben sich niedrige Klippen aus rotem Ocker.

Unsere Gastgeber waren Tina und Chris. Tina war vor 33 Jahren aus Berlin nach Australien gekommen und geblieben. Wir hatten direkt einen guten Kontakt zueinander und am Sonntag zeigten die beiden uns die Highlights der Umgebung. Am frühen Abend gingen wir zum Sonnenuntergang an den Strand des Indischen Ozeans. Wir machten noch ein kleines Video für die Website und dann ging es in einen typischen Pub auf einen Burger.

Ein entspannter Tag

Früh am nächsten Morgen machte Manni einen über 10 Kilometer langen Strandspaziergang mit Chris und Jimmy, dem Hund der Familie. Carsten war unterdessen mit Tina zum Schwimmen gegangen.
Unsere Rundtour führte entlang der Felsen und wir sahen ein Adlernest. Am Hafen haben wir den Anglern etwas zugeschaut. Unseren Lunch haben wir dann bei schöner Aussicht im Pub des Mangrove Resort eingenommen. Gestärkt ging es weiter ins Zentrum von Broome und anschließend zu einem über 100 Jahre alten Steg, dem „Mother of Pearls“. Hier wurden die Perlentaucher und Boote über die Mangroven ans Wasser gebracht. Tina und Christ luden uns für später zum Dinner ein. Unser letzter Stopp war für heute ein Supermarkt. Hier spielte ein Aborigine vor dem Eingang auf einem Didgeridoo. Wir durften ein tolles Portrait machen.
Das Dinner mit Garnelen und Fisch war sehr gut und wir hatten einen schönen gemeinsamen Abend.

Reptil und Road Trains

Nach einer ruhigen Nacht verabschiedeten wir uns herzlich von Tina und Chris. Jimmy, dem Hund, ging es nicht gut und er schlief. Wir fuhren los. Unser heutiges Tagesziel war Port Hedland, das noch ca. 570 Kilometer entfernt war. Bevor es auf den Northern Highway (HWY) 1 weiter Richtung ging, kauften wir noch etwas Verpflegung ein. Ein erster Fotostopp galt heute einem kleinen Reptil, das die Straße kreuzte. 

Nach rund 300 km war ein Tankstopp fällig. Wir nahmen ein zweites Frühstück an einem typischen Roadhouse ein. Weiter ging es durch eintönige Landschaften. Hin und wieder sahen wir ausgeschlachtete Autos am Seitenrand stehen. Diese werden wohl von Zeit zu Zeit eingesammelt. Die Temperatur im Schatten wurde im Auto heute mit 43 Grad angezeigt. Echt gut, dass unser Mietwagen über eine Klimaanlage verfügt. Die hat unser “Kumpel” nicht. Wir würden trotzdem gerne tauschen.
Wir sahen Road Trains, die Züge der Straße, wie sie auch genannt werden, teilweise mit 4 Anhängern. Das sind schon ordentliche Geschosse, die da an einem vorbeifahren oder überholt werden müssen.

In Port Hedland angekommen, haben wir dann in einem einfachen, aber sauberen, „Discovery Park“ ein Zimmer bezogen. Port Hedland ist mit knapp 13.800 Einwohnern eine der größten Städte des australischen Bundesstaates Western Australia. Der Hafen Port Hedland, über den vor allem Eisenerz exportiert wird, gehört zu den größten Häfen für Schüttgut weltweit. Für uns war es ein Übernachtungsort auf dem Weg nach Fremantle.

Auf dem Highway

Am nächsten Morgen machten wir uns über den Great Northern HWY 1 und dann weiter über den North West Coastal Highway auf nach Karratha. Unterwegs fotografierten wir Road Trains. Wir zählten auch, wieviele Räder so ein Road Train hat. Mit vier Anhängern kommt so ein Geschoss auf bis zu 98 Räder! Wenn man die mal wechseln muss, ohje.

Heute erreichte die Temperaturanzeige 44 Grad im Schatten. Bei der Ankunft in Karratha haben wir uns zunächst im Visitor-Center nach den Unterkunftsmöglichkeiten am Ort erkundigt. Auch hier gab es wieder einen „Discovery Park“. Dieser wollte allerdings den 5-fachen Preis von dem vom Vortag. Also haben wir weiter gesucht und dann auch passendes Motel gefunden.

Karratha ist eine Stadt in der Region Pilbara in Westaustralien, die an den Hafen von Dampier grenzt. Karratha wurde 1968 gegründet, um die Verarbeitungs- und Exportmitarbeiter des Bergbauunternehmens Hamersley Iron und in den 1980er Jahren die Erdöl- und Flüssigerdgasaktivitäten des North West Shelf Venture aufzunehmen. Der Name der Stadt stammt von der gleichnamigen Viehzuchtstation, die abgeleitet „gutes Land“ oder „weiche Erde“ bedeutet. Dann wollten wir uns das mal anschauen.

Am späteren Nachmittag haben wir uns zunächst mit Steaks und Getränken versorgt und sind zum Hearson Cove Beach nach Dampier gefahren. Das war eine Empfehlung der Damen des Visitor-Centers. Nach einem ausgiebigen Bad im Indischen Ozean ging es dann an den Barbeque-Grill. Diese stehen den Gästen kostenfrei zu Verfügung. Grillen am Ozean, was will man mehr? Unsere Porterhouse-Steaks brauchten nicht lange und konnten unseren Hunger stillen.

Wir blieben an diesem schönen Fleckchen Erde bis es dunkel wurde. Dann fuhren wir zurück zum Motel. Wir träumten davon, “Kumpel” bald wieder bei uns zu haben und freuen uns jetzt schon darauf, Euch weiter zu berichten.

Bis bald!
Euer Carsten und Euer Manni

Die letzten Tage im Iran

Die letzten Tage im Iran waren ebenfalls sehr schön. Nachdem wir von Isfahan unter anderem durch die Wüste Richtung Yazd gefahren waren, nicht ohne Anna (Hilfsprojekt „Arme für Mama“) zum Geburtstag zu gratulieren, haben wir irgendwo im Nirgendwo übernachtet und uns am Morgen auf dem Weg nach Yazd gemacht.
Yazd ist eine der ältesten und schönsten Städte des Irans. 2017 wurde die Altstadt zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt. Mit tollen Eindrücken übernachteten wir auf einem geschlossenen Parkplatz mitten in der Stadt.

Auf Grund der unruhigen Lage in Teheran wurde im Iran die letzten Tage das Internet abgeschaltet. Wir haben sonst weiter nichts von den Hintergründen mitbekommen, außer, dass es um Benzin und Dieseleinschränkungen ging. Das wurde hier an den sehr langen Schlangen vor den Tankstellen sichtbar. Sicher haben wir uns immer gefühlt. Einzig die Beschaffung von Diesel und Gas stellte unsere Geduld etwas auf die Probe. Wir haben aber immer das bekommen, was wir gebraucht haben.

Nach einem weiteren Tag in Bam verbrachten wir die Nacht bevor wir weiter Richtung Pakistan fuhren in Zahedan. Wir tranken noch Kaffee mit vier Polizisten, die uns dafür mit regionalen Köstlichkeiten versorgten. Und wir konnten wieder kommunizieren. Internet sei Dank!

Am 17. November haben wir dann die Grenze vom Iran nach Pakistan überquert.

Um 7:30 Uhr Ortszeit ging es los, an die iranisch-pakistanische Grenze. Es stauten sich wieder einmal viele, viele LKW`s. Etwas verwirrend waren wegen einer großen Baustelle, die Zufahrtsweg an die Grenze. Schließlich fanden wir den Weg und stießen auf  vier Grenzsoldaten. Alle waren sehr freundlich und jeder übernahm seinen Part. Sie zeigten großes Interesse an unserem Tourfahrzeug “KUMPEL” und unsere Tour. Kumpel wurde gründlich inspiziert und alles was geöffnet werden konnte, wurde geöffnet. Unser Speiseöl geriet unter Verdacht Alkohol zu sein, diesen konnten wir aber entkräften.
Weiter ging es zur Pass-, VISA- und Carnet-Kontrolle. Die Pässe wurden mit dem Austrittsvermerk versehen und damit durften wir dann den IRAN verlassen.

Also ab zum Abfertigungsbereich Pakistans! Dort stand zuerst die Passkontrolle an, zu der wir einen Tee gereicht bekamen. Nach einer beschleunigten Abfertigung durch einen sehr netten Pakistani, kam schon der erste Geldwechsler auf uns zu. Wir haben unsere restlichen iranischen Rials gegen pakistanische Ruppes getauscht. Dann wurden wir zum Haupttor vor dem offiziellen Pakistan-Eintritt geführt. Dort wurde wiederum unsere Pässe registriert und VISA sowie unser Carnet geprüft. Ein Levies nahm uns auf dem Motorrad in Empfang. Wir folgten ihm und das große Tor ging auf: Wir waren in PAKISTAN.

Irgendwie sind wir hier in eine ganz andere Welt eingetaucht. Zuerst ging es zur Levies-Station. Levies sind paramilitärische Strafverfolgungsorgansationen, die in Levies Forces organisiert sind. Diese haben die Aufgaben, Strafverfolgung zu betreiben, für die Innere Sicherheit mit zu sorgen und die Polizei in Pakistan zu unterstützen.

Es folgte eine erneute Registrierung und die Fragen wohin wir unterwegs waren. Zwei weitere Reisende auf dem Motorrad warteten bereits. Rachel und Daan aus Amsterdam. Wobei Rachel ursprünglich aus der Schweiz kommt. Mit den Beide sollten wir die nächsten Tage verbringen, da wir dasselbe Etappenziel hatten. Gemeinsam ging es weiter durch den Zoll und zur Carnet-Abwicklung.
Wenig später ging unsere Tour Richtung „Quetta“ los. Aber in Begleitung einiger Levies. Diese waren mit Kalaschnikows (Gewehren) ausgestattet und waren für unseren Schutz, vor allem vor Entführungen zuständig. 

Unser Ziel war Dalbadin. Die Route führte durch die Wüste, entlang der Grenze zu Afghanistan. Auf den rund 300 km wurde das Levies-Team drei mal gewechselt. Insgesamt hatten wir 11 Kontrollpunkte mit Pass- und. VISA-Prüfung zu durchfahren. Die Levies und Soldaten, meist Kontrollpunktbeamte, waren alle freundlich zu uns. Bei letzten Wechsel wurden wir wieder zum Tee Umtrunk eingeladen. 

Gegen 18 Uhr haben wir dann das Tagesziel im Dunkel erreicht. Hier wird es bereits gegen 17 Uhr dunkel und wir mussten unsere Uhren wieder um eineinhalb Stunden weiter in die Zukunft stellen. Unser Stellplatz im kleinen Ort Dalbadin, war einem  geschlossen Hotel-Hinterhofs. Auch hier wurden wir erneut überprüft und registriert. All diese Maßnahmen tragen Sicherheit der Touristen und dem Image Pakistans nach Außen bei. Und dieser Levies-”Service” ist absolut kostenfrei. Den Abend haben wir alle zusammen verbracht.

Unser Weg nach Quetta

Mit einem gemeinsamen Frühstück im Hotel, bei dem jeder mitbrachte, was er hatte, begann der Tag. Anschließend gab es eine kurze Besprechung mit den Levies. Nach einem Tankstopp der besonderen Art ging es auf Richtung Quetta/Balochistan. Bis über den Mittag begleitete uns dasselbe Levies-Team. Die Kontroll-Stopps waren überschaubar. Nach einer entspannten Teepause fuhren wir dann, begleitet von Enkel und seinem Opa auf dem Moped weiter. Die Wechsel unserer Begleitpersonen erfolgten jetzt in fünf bis zehn Kilometer Abschnitten. Es wurde auch immer wieder von Levies auf Polis gewechselt. Levies sind außerhalb der Städte zuständig und schlechter ausgestattet als die Polis. Die Polis sind in den Stadtzonen zuständig und gut mit Fahrzeugen, Gewehren, Uniformen uns so weiter ausgestattet.

An der Stadtgrenze zu Quetta ging es dann mit der Polis weiter. Quetta ist eine, in Pakistan kleine Stadt mit über drei Millionen Einwohnern.

Ein Pickup und zwei Motorräder begleiteten uns. Vor dem Zentrum wurde nochmals gewechselt, auf einen Pickup und vier Motorräder mit je zwei bewaffneten Polizisten. Es war wir ein “Escort”-Service wie für politische Prominenz. 

Innerhalb der City lief der Verkehr mit Stopp and Go. Es ging kreuz und quer, die Motorräder flankierten uns und halfen uns auch über Kreuzungen oder beim Straßenwechsel. Fast unbeschreiblich das Ganze, man muss es selber Erleben. Eine Aktion die noch lange in unseren Köpfen sein wir.

In Quetta wurden wir ohne gefragt zu werden zu einem 3-Sterne-Hotel gebracht. Wir bekamen einen Standplatz im Innenhof des Hotels für die Nacht zugewiesen. Zum Glück hatten wir unseren Kumpel, in dem wir im Verhältnis zum Hotel, wie in einem 5-Sterne-Hotel schliefen. Das Hotel war von Innen doch etwas heruntergekommen, wie es bei uns selbst in der hintersten Provinz nicht mehr zu finden ist. Nach diesem doch sehr anstrengenden Tag für uns hatten wir eine ruhige und erholsame Nacht.

Das NOC – No-Objection-Certificate

Am nächsten morgen lernten wir Heide aus Nibül und Nils aus Wuppertal kennengelernt, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln auf dem Weg nach „Nepal“ sind. Auch sehr abenteuerlich.

Wir mussten zwei Stunden auf die Polis warten und wurden dann in einem Pickup mit Bänke auf der Ladefläche zum weitläufigen Verwaltungskomplex in Quetta gebracht. Hier mussten wir dann unsere Pflicht erfüllen und unser „NOC“ (No-Objection-Certificate) für ausländische Touristen beantragen.Der ganze Prozess dauerte fast eineinhalb Stunden wobei wir insgesamt an drei Stellen vorstellig wurden. Da das NOC erst ab dem 20.November galt, mussten wir eine weitere Nacht im Innenhof des Hotels verbringen. „Alles zu unserer Sicherheit“! Da diese Information nur scheibchenweise erfolgt, sind viele über die lange Prozedur verärgert. Sieht man sich das „NOC“ an und welche Prozesse dahinter stehen und wer alles Informiert werden muss, kann man den zwei Nächte “Vorort-Prozess” schon nachvollziehen.

Am Nachmittag führen wir mit den Polis und ihrem Pickup in die Stadt um Einzukaufen. Wir benötigten unbedingt eine pakistanische SIM-Karte um unsere Kommunikation wieder in Gang zu bringen. Alles war ein bisschen chaotisch, aber zu guter Letzt waren wir wieder online! Den Abend haben wir dann mit einem gemeinsames Essen mit unseren beiden Mitreisenden, Rachel und Daan im KUMPEL verbracht. Carsten hat beim Kochen wieder einmal alles gegeben. Wir wetteten, wann uns die POLIS am nächsten Morgen abholen wurden. Geplant war acht Uhr. Unsere Tipps: Carsten – 9 Uhr; Manni – 8:40 Uhr; Rachel – 9:23 Uhr und Daan – 9:30 Uhr. Es blieb spannend.

Beladene LKWs und viele Eindrücke

Und siehe da um 8:20 Uhr waren die POLIS da und es konnte losgehen. Wir wurden aus Quetta bis zum Stadtrand exkortiert, von vier Motorrädern (acht Männer) und einem Pickup (zwei Männer). Was uns heute auffiel, war, dass an fast jeder Ecke POLIS oder Soldaten standen. Auf unsere Nachfrage, ob etwas los ist, kam nur: “Nichts Besonderes heute.”.
Erstaunlich ist immer wieder, wie dieses alles Hand in Hand läuft und selbst „Fliegende Wechsel” funktionieren.

Zunächst ging es durch eine wunderschöne Bergregion nach „Sibi“. Dann weiter Richtung „Jacobabad“, wo es dann wesentlich wärmer wurde und die Landschaft ganz flach. In den durchfahrenden Dörfern konnten wir sehr viel Armut sehen und fragten uns immer wieder: “Wo von leben die Menschen hier?”. Und noch eine Frage stellte sich uns. Wie kann man Fahrzeuge so beladen. Das ist wirklich wahnsinnig hier. Machmal weiß man gar nicht, wo sich das eigentliche Fahrzeug befindet.

Dann kurz vor „Jacobabad“ wurden der KUMPEL und Carsten auf eine harte Probe gestellt. Die Straße war dermaßen kaputt und mit tiefen Löchern versehen, das es fast ein Wunder war, hier heil durchzukommen, aber wir schafften es. Zwischenzeitlich hatten uns die Levies alleine weiterfahren lassen, oder hatten uns verloren. Genau Vor Jacobabad wurden wir aber wieder gestoppt und es ging mit neuer Levies Begleitung weiter. Rund 20 km vor Sakkur, gab man uns und Rachel und Dann auf dem Motorrad freie Fahrt. 

An unserem Nachtquartier in Sakkur, zu dem uns ein freundlicher Pakistani gebracht hatte, war die Innenhof-Durchfahrts-Höhe zu gering. So musst KUMPEL auf der Straße stehen. Nach einer Dusche gingen wir auf Restaurantsuche. Da wir zu unserer eigenen Sicherheit nur die Straße vor dem Hotel nutzen konnten und sich dort nichts befand musste Plan B her. Die Menschen waren etwas skeptisch, also zeigten wir ihnen unsere Website in pakistanischer Sprache. Und siehe da, auf einmal war Vertrauen da und es wurde ein „Tuk Tuk“ organisiert. Rachel hatte bereit via Google ein Restaurant ausgesucht. Los ging es ins „Royal Taj Restaurant“. Wir waren alle begeistert von dem vorzüglichen Essen. Wir vier durften zum Abschluss sogar die Küche besichtigen. Nach 400 km, vielen tollen Eindrücken, nette Menschen und vielen Fotos ging es ab ins Bett.

Mal schauen, was wir hier noch so erleben.
Euch und vor allem Anna – siehe unsere Hilfsaktion – alles Gute und bis bald!

Euer Carsten + Euer Manni