Das Abenteuer Thailand beginnt

Unsere erste Nacht in Thailand war sehr warm und ab vier Uhr morgens startete der Besucherverkehr auf dem Tankstellengelände, auf dem wir nächtigten. Kaum waren wir wach, kamen schon einige Menschen und waren sehr interessiert an “Kumpel” und uns. Wir bekamen sogar eine Honigmelone geschenkt. Dann ging es für uns los auf die Suche nach einer Möglichkeit, “Kumpel” wieder fit zu machen. Die Stoßdämpfer waren hinüber und die Blinker und Scheibenwischer funktionierten wieder nicht.

Wir versuchten es an diversen Stellen. Dann, rund drei Kilometer vor Tak, sahen wir einen großen Track-Service. Wir erklärten einem jungen Mann unser Problem. Er legte sich mit Carsten unter den “Kumpel” und sah Handlungsbedarf. Da wir aber bei einem Reifenservice gelandet waren, konnte uns hier nicht direkt geholfen werden.

Der junge Mann zeigte uns, mit dem Fahrrad vorausfahrend, den Weg zu einer Werkstatt, die uns seiner Meinung nach helfen konnte. Wir waren gespannt. Kaum waren wir angekommen, war “Kumpel” auch schon von seinen Hinterrädern befreit. Tja, und da war es, das Problem: Beide Träger-Holme waren gebrochen.

Für viele Fahrzeuge heißt das: Verschrotten! Nach längerer Diskussion innerhalb des Werkstatt-Teams und durch Carsten motiviert, wurde telefoniert.
Juhu! “Kumpel” sollte noch eine Chance bekommen. Wir wurden in eine rund sieben Kilometer entfernte, typische „Schrauber-Werkstatt“ geleitet. Auf dem Hof der Werkstatt wurde “Kumpel” zunächst begutachtet. Dann die gute Nachricht: Die Mitarbeiter des Familienbetriebs nahmen sich “Kumpel” an. Ihrer Aussage nach innerhalb der nächsten sieben Tage. Wir wussten ja, dass hier in Thailand über den Jahreswechsel vier bis fünf Tage gar nichts passieren würde. Die Chefin der Werkstatt wurde immer freundlicher. Sie holte ihre Tochter, die besser Englisch sprach und gerade zuhause im Kurzurlaub war. Sie half uns, die eine und andere Frage zu klären. Während der Lunchpause der Mechaniker packten wir unsere Taschen. Wir mussten ja wohl in ein Hotel ziehen. Nach der Pause kam die Chefin zu uns und versprach, alles daran zu setzen, dass “Kumpel” morgen, am 30.12., fertig repariert sein würde. Wir waren sehr glücklich und machten uns auf ins Hotel

„Kumpel“ ist gerettet

Direkt nach dem Frühstück fuhr Carsten mit dem Fahrrad direkt zur Werkstatt. Mit Blumen für die Chefin und Arbeitshandschuhen für die Mitarbeiter im Gepäck. Und wirklich, “Kumpel” war fast fertig! Über Nacht hatte die Mannschaft ganze Arbeit geleistet. Die Blumen ließen bei der Chefin einige Tränen fließen und die Mitarbeiter waren so glücklich über die Arbeitshandschuhe, dass diese sofort angezogen wurden. Es folgte eine Probefahrt mit dem wieder Instand gesetzten “Kumpel”. „Alles ok“ war Carstens Fazit. Die Rechnung für ein Team aus drei “Schraubern” und einem Elektriker inklusive Nachtschicht war so bescheiden, dass wir uns fast schämten. Das Team hat auch nur auf ausdrückliches Drängen, ein zusätzliches Trinkgeld angenommen. Alle waren sehr stolz auf das Geleistete. Es wurden Fotos gemacht und alle verewigten sich auf “Kumpel”.

Manni war in der Zwischenzeit auf dem Markt gewesen. Nun konnte die Tour weitergehen. Wahnsinn, wer hätte das gedacht. Wir hatten in iOverlander einen Platz rund 100 Kilometer entfernt entdeckt, den wir ansteuerten. Der Stellplatz lag bei Tambon Nakhon Chum, direkt am River „Mae Nam Ping“. Wir hatten einen schönen Stellplatz in einem Resort gefunden. Dieser war knapp 50 Meter vom Fluss entfernt und sehr schön gelegen. Viele Tiere waren zu hören, aber sonst war es ruhig. 

Am Nachmittag haben wir angefangen, “Kumpel” vom restlichen roten Staub des Asien-Highway zu befreien. Fertig geworden sind wir nicht. Innen ist noch das ein oder andere rote Sandkorn in den Ritzen zu finden. Nach einem kleinen Spaziergang haben wir uns einen leckeren Fisch gegönnt und saßen noch lange draußen am “Kumpel”

Beim Frühstück am nächsten Morgen haben wir beschlossen, über Silvester hier zu bleiben. Wir wollten die ”Kumpel”-Grundreinigung zu Ende bringen. Dazu bot sich unser Stellplatz hier wirklich an. Wir hatten Ruhe, Wasser und eine freundliche Gastgeberin.

Einfach mal Silvester verschlafen

So verbrachten wir Silvester mit einem Großputz. Sogar die Bettwäsche konnten wir im Resort waschen lassen. Alles war sauber. Zum späten Mittagessen machten wir uns einen Topf mit Nudeln “all’arrabbiata” und wir waren zufrieden. Am Abend machten wir einen längeren Spaziergang. Die Restaurants in der Gegend waren überwiegend geschlossen und so haben wir uns gegen halb zehn in unsere Kojen verzogen und das thailändische Silvester verschlafen.
Dafür waren wir am Neujahrsmorgen bereits um halb sechs wach und haben per FaceTime mit unseren Frauen das alte Jahr verabschiedet und das neue Jahrzehnt begrüßt. WILLKOMMEN 2020!

Das Morgenlicht war sehr schön. Wir widmeten uns in der freien Natur ausgiebig unserer Körperpflege. Alle anderen Gäste lagen noch in den Federn. Gegen sieben Uhr kam dann die Resort-Chefin und überraschte uns mit einer sehr wohl schmeckenden Frühstückssuppe. Diese war nach unserem ersten Kaffee genau richtig, um gestärkt in den Neujahrstag zu starten. 

Auf ging es Richtung Bangkok. Einen kleinen Zwischenstopp legten wir bei einer Schneiderin ein. Carsten musste eines seiner Lieblingsshirts flicken lassen. Er hatte nämlich wiedermal Bekanntschaft mit einem Vierbeiner gemacht.
Wir fuhren auf dem Asien-Highway AH 1 + AH 2. Rechts und links des Highways gab es immer wieder Verkaufsstände. Wir hätten gerne unseren LPG-Gas-Vorrat aufgefüllt, hatten aber an drei Stationen kein Glück. Die Systeme passten nicht.
Wir fuhren quer durch Bangkok und blieben auf den Hauptverbindungsstraßen. Auf dem Weg raus aus der Stadt hielten wir an einem Baumarkt. Wir benötigten noch etwas Material, um “Kumpel” auch optisch wieder herzurichten.

In Sarmut Songkhram, rund 70 Kilometer hinter Bangkok, haben wir dann einen schönen großen Platz an einem See entdeckt. Beim angrenzenden, traditionellen Thai-Restaurant holten wir uns die Genehmigung, die Nacht hier zu verbringen. Gegessen haben wir natürlich im Restaurant. Das Essen war sehr lecker. Anschließend  spazierten wir die 300 Meter ans Meer. Dort picknickten viele Familien. Leider sahen wir auch Berge von Styropor und Plastikmüll, der gesammelt wurde. Wir liessen den Abend entspannt ausklingen.

„Kumpel“ wieder auf der Hebebühne

Unsere Nacht war sehr gut und den ersten Kaffee genossen wir recht früh am 02. Januar 2020. Wir wollten noch den Unterbodenschutz von “Kumpel” anbringen. Unser Wagenheber hob aber “nur” 1,8 Tonnen und das war uns dann doch zu gefährlich, uns da drunter zu legen. Also fuhren wir an der Küste entlang weiter und hielten Ausschau nach einer Werkstatt. Wir waren noch nicht weit gekommen, da sahen wir eine Reifenwerkstatt mit Hebebühne. Dort sind wir gleich rangefahren. Wir fragten, ob wir die Hebebühne für “Kumpel” benutzen dürften und dass wir diese eine Stunden bräuchten. “No problem”, war die Antwort. Also, “Kumpel” hoch und die Räder hinten ab. Aus der einen Stunde wurden zwei, aber der Unterboden dafür top. Von den ehemaligen Holmbrüchen war nichts mehr zu erkennen. Da hatte das Werkstatt-Team wirklich tolle Arbeit geleistet. Zwischenzeitlich hatten wir das Interesse einiger Kunden auf uns gezogen. Einer wollte uns mit zwei kleinen „Red Bull“ wohl Flügel verleihen und alle wollten wissen, woher wir kommen und wohin wir wollen. Als wir zahlen wollten, wollte der Inhaber der Hebebühne nichts annehmen. Wir sagten Danke und haben die Trinkgeld-Box etwas gefüllt. 

Salzbecken und Tempel

Weiter ging es an der Küsten entlang. Es war schon Mittag und wir brauchten eine Stärkung. An einigen Wasserbecken stand ein kleines Restaurant. Es gab Muscheln in unterschiedlichen Varianten. Wir entschieden uns für frittierte Muscheln auf Bambussprossen zum „Frühstück“, denn das war heute ausgefallen. Auch das erste Thai-Bier schmeckte nach der Arbeit vom Vormittag.

Der Inhaber des Restaurants hatte uns in der Zwischenzeit auch darüber aufgeklärt, wofür die ganzen Wasserbecken genutzt werden. Erst hatten wir gedacht, dass es sich um Aquakulturen für Garnelen, Muscheln oder Fische handelte. Das war aber falsch gedacht. Die Becken dienten der Meersalzgewinnung. Wieder auf Tour, konnten wir die Salzbecken und die Salzgewinnung von der Straße aus verfolgen.

Für einen Kaffee hielten wir in Laem Phak Bia – Chang Wat Phetchaburi bei einer großen Tempelanlage. Allerdings wollten wir heute noch etwas Strecke machen und hatten uns bei iOverlander hinter Hua Hin, den Pranburi Forest Park-Campsite, ausgesucht. Es war ein schöner Naturpark direkt am Meer. Der Park hatte eine gute Infrastruktur für Camper. Also perfekt für uns. 

Von unseren Lieben zu Hause hatten wir gehört, dass es in Indonesien schwere Unwetter mit viel Regen gab. Indonesien war auf der geplanten Route unser übernächstes Land. Daher wollten wir gewappnet sein und mussten das Dach von “Kumpel” richtig dicht bekommen. Seither war das kein Thema gewesen. Wir hatten auf der gesamten Strecke nur rund zwei Stunden Regen bis jetzt. Also, rauf aufs Dach. Mal gut, dass wir uns im Baumarkt bereits mit Material eingedeckt hatten. Nach gut eineinhalb Stunden hatte es Carsten geschafft. Ob es hält, werden wir dann „live“ erleben. Wir gönnten uns in einer Pizzeria eine Pizza aus dem Steinofen und beendeten den Tag.

Deko für „Kumpel“, Essen für uns

Am nächsten Morgen waren wir bereits um 4:30 Uhr wach und haben die Ruhe und die Wellen des Morgens genossen. Nach einer kühlen Freiluftdusche mit einem ersten Kaffee starteten wir in den Tag. Beim Frühstück haben wir einige ToDos besprochen, die wir entsprechend an unser Team weitergaben.

Gegen 8 Uhr starteten wir dann unsere Tagestour Richtung „Thani“ zum Wild Camping Spot „Quiet Spot“. Unterwegs in Chumphon haben wir dann mal wieder den Kühlschrank aufgefüllt und für den Abend Fisch eingekauft.
Carsten hat sich noch eine Schmuckgirlande gekauft, da kommt das Floristenherz wieder durch und diese gleich im „Kumpel“ aufgehängt. An unserem Tagesziel angekommen, mussten wir leider feststellen, dass dieser Stellplatz eher einem Müllplatz glich. Das kam für uns nicht in Frage und wir fuhren weiter. Kurz darauf sahen wir ein kleines Resort am Strand. Wir haben uns dort vorgestellt, erzählt wer wir sind und was wir machen und haben dann wie immer gefragt, ob wir bleiben dürfen. Ja, wir durften. Nach einer Carsten-Jogging-Runde haben wir am Abend unsere Fische auf dem Rost gegrillt. Lecker! Satt und zufrieden sind wir dann ins Bett.

Früh am nächsten Tag teilten wir uns auf. Carsten war mit “Büroarbeit” beschäftigt und Manni ließ sich von den Lichtstimmungswechseln am Strand faszinieren. Nach einem ruhigen Frühstück kam der Juniormanager des Resorts, der Sohn des Besitzers. Er war 42 Jahre alt und interessierte sich sehr für “Kumpel”. Es wurde alles dokumentiert und “Kumpel” wurde ein Aufkleber mit der Zahl „956“ verpasst.


Exkurs – Die Bedeutung der Zahlen

5 = In der chinesischen Philosophie, Medizin und Magie nimmt die Zahl 5 eine herausragende Stellung ein. Sie kennt fünf Farben, fünf Sinne, fünf Tugenden, fünf Elemente (neben Feuer, Wasser, Erde gibt es zusätzlich Holz und Metall). Auch die Körperorgane werden in fünf Gruppen unterteilt. Tatsächlich sind nach traditioneller chinesischer Vorstellung nahezu alle Aktivitäten des Menschen und sämtliche Erscheinungsformen der Natur in fünf Kategorien zusammengefasst. 

Die 6 ist die weibliche Zahl der Ehe. Sie ist das Produkt aus der 3, der ersten anerkannten ungeraden Zahl, und der 2, der ersten geraden Zahl, während die 5 die Summe dieser beiden Zahlen ist. Und tatsächlich ergibt sich die 6 aus der Addition der ersten drei Grundzahlen: 1, 2 und 3.

6 = Für Pythagoras bedeutete die Zahl 6 Perfektion. Sie ist die erste Zahl, deren Divisoren (1, 2 und 3) addiert der Zahl selbst entsprechen; auch aus der Multiplikation der Divisoren ergibt sich wiederum die Zahl 6. Der Gelehrte Philon von Alexandria stellte zu Beginn der christlichen Ära die Behauptung auf, dass die Erschaffung der Welt deshalb sechs Tage dauern musste, da die 6 die vollkommenste und schöpferischste aller Zahlen sei. Der Kirchenlehrer Augustinus kam ebenfalls zu dem Schluss, dass Gott die Welt nur deshalb in sechs Tagen erschaffen habe, weil diese Zahl Vollkommenheit symbolisierte, und nicht, weil der Herr nach sechs Tagen mit seiner Arbeit fertig gewesen sei

9 = Seit Langem steht diese Zahl für Universalität. Während die 1 als bereits in allen Zahlen enthalten galt und daher von den Pythagoreern praktisch nicht als Zahl betrachtet wurde, war die 9 imstande, sich in jede Zahl zu verwandeln, und blieb trotzdem gleich. Sie symbolisiert deshalb die letzte Unvollkommene vor der Vollkommenheit (der 10). Als letzte von den Einerzahlen, aus denen sich alles zusammensetzt, steht sie für eine umfassende Weltsicht. Im Mittelalter war die 9 als dreimalige Dreifaltigkeit noch stärker als die Zahl 3.

Quelle


Das Meer genießen

Gegen neun Uhr fuhren wir weiter auf die Westseite Thailands, Richtung Krabi. Unterwegs bekamen wir bei unserem Tankstopp wieder drei Flaschen Wasser geschenkt. Bei einem weiteren Halt erstanden wir eine frische Melone. Eigentlich wollten wir nur ein Stück, aber wir hatten eine ganze bezahlt und die resolute Verkäuferin bestand drauf, dass wir die ganze Melone mitnahmen. In Cang Wat Krabi besuchten wir beide dann einen Friseur. In Krabi haben wir uns etwas umgeschaut, einen kleinen Meeresfrüchtelunch gegessen und sind dann weiter der Küste entlang gefahren.

Nach knapp 100 Kilometern haben wir „Vao Beach“ erreicht. Es war ein Tipp aus iOverlander und endlich wieder mal ein Volltreffer. Kaum hatten wir in der ersten Reihe zum Meer geparkt, waren wir schon im fast 30 Grad warmen Meerwasser baden. Wir verbrachten einen entspannten Abend am Strand vor unserem “Kumpel”. Der Sonnenuntergang war einfach traumhaft.

Unserer heutiger Morgen begann mit einem Bad im Meer. Genauer in der Andaman-See am Vao Beach. Die Wassertemperatur war wärmer als die Luft. Es war einfach herrlich. Kurze Zeit später brachen wir Richtung malaysische Grenze auf. Die Fahrt über die gut ausgebauten Straßen und den Highway (AH 2) war entspannt und ereignislos. Auf einem Berg in der Nähe von einigen Elefantenskulpturen haben wir gefrühstückt und eine Kokosnuss gekauft. Rund 50 km vor der Grenze haben wir nochmal vollgetankt und die Wasservorräte aufgefüllt.

Im Grenzgebiet sind wir zunächst zur Immigration von Thailand und haben ausgecheckt. Weiter ging es zum “Custom” für “Kumpel”. 100 Meter weiter begann dann, in einer Area mit prachtvollen Gebäuden, die Abwicklung für die Einreise nach Malaysia. Wir wurden zu den Bussen & Vans gewiesen. Alles verlief problemlos. Wir fuhren weiter zur letzten Station der Grenze. Hier wurde nach unserem Carnet gefragt. Da wir keine Hinweise gesehen hatten, hatten wir dies beim “Custom” nicht abstempeln lassen. Also wurde telefoniert. Wir wurden zum Zoll begleitet. Dort wurde alles komplikationslos registriert und abgestempelt. Sowohl bei der Ausreise aus Thailand, als auch bei der Einreise nach Malaysia waren alle sehr freundlich und wünschten uns eine gute Weiterreise.

Was wird Malaysia für Überraschungen für uns bereit halten?
Wir werden berichten.

Euer Carsten und Euer Manni

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